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Geschichtsarchiv & Vorgeschichten Bearbeiten

2631 Bearbeiten

Memo - Vertraulich Bearbeiten

MEMO: VERTRAULICH Bearbeiten

Datum: 28. Juni 2630 Von: Terrance Mattherson, Vorstandsvorsitzender Genudine Multiplanetary An: (Liste vertraulich)

Wie in der Abstimmung vom 14. Februar auf Anraten vom Vorstandsvorsitzenden der Woodman Alliance, Jonathan Woodman, beschlossen, haben wir unverzüglich mit der Überwachung der Aktivitäten des früheren Präsidenten der T.R., Connery, begonnen. Nachfolgend erhalten sie die entsprechenden Ergebnisse.

Jons Verdacht, Connery könnte auf seiner Expedition in den Mondgürtel schlüssige Beweise für die Existenz außerirdischen Lebens gefunden haben, hat sich nach bisherigem Kenntnisstand bestätigt. Seit dem Ende seiner Präsidentschaft hat sich Connery intensiv mit der Materie beschäftigt und eine beachtliche wissenschaftliche Expertise für die Durchführung einer Expedition in die Tiefen des Weltalls aufgebaut. Uns war bereits bewusst, dass Connery schon länger plante, wieder auf Entdeckungstouren zu gehen, seine wahrscheinlich einzig wahre Leidenschaft. Seine Vorbereitungen deuten aber darauf hin, dass er scheinbar etwas plant, das weit über eine Standardexpedition hinausgeht.

Sollte Connery tatsächlich wieder zum Mondgürtel zurückkehren, dann legen unsere Analysen nahe, dass er es tun wird, weil er dort auf seiner letzten Expedition etwas gefunden hat. Wir nehmen weiterhin an, dass ein Unvermögen, diesen Fund zu bergen, dazu führte, dass er seine Nominierung zum Vizepräsidenten der Terranischen Republik und später die Kandidatur für mehrere Amtsperioden als Präsident annahm. Auswertungen von vorliegenden Informationen legen nahe, dass er die politischen Ämter nur ausübte, um die notwendigen Mittel zur Verfügung zu haben, um das unbekannte Objekt später bergen zu können. Das ist wohl auch die Antwort auf die oft gestellte Frage, warum ein passionierter Abenteurer und Entdecker diesen Job aufgab und stattdessen einen Schreibtischjob in einer so hohen Position annahm.

Sollte das in der Tat der Beweis für extraterrestrisches Leben sein – und uns sollten die sich daraus ergebenden geschäftlichen Möglichkeiten klar sein – dann liegt es in unserer Verantwortung als Mitgründer von Business Forward, die Entwicklungen weiter zu beobachten und Connery alle erforderlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um später die finanziellen Profite und solche anderer Art einstreichen zu können, die diese Entdeckung zweifelsohne mit sich bringen wird. Wie immer weiß ich mögliche Denkanstöße von Ihnen zu diesem Thema zu schätzen.

TM/jp

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MEMO: RE: VERTRAULICH Bearbeiten

Datum: 01. Juli 2630 Von: Sasha Dawn, Vorstandsvorsitzender Nanite Systems An: (Liste vertraulich)

Terry, Sie wissen sicher besser als jeder andere von uns, wie eigenwillig Connery sein kann. Wenn er im Geheimen finanzielle Mittel und Teams um sich schart, dann wohl deshalb, weil er unsere Hilfe nicht will. Er weiß ohne Zweifel, dass wir das nötige Geld locker machen könnten – mit allen verbundenen Bedingungen – weshalb es für mich nur zu offensichtlich ist, dass er uns als Partner nicht will. Im Übrigen wissen wir doch alle, was er von Unternehmen hält, die in "zivilen Angelegenheiten" eine Führungsrolle übernehmen wollen. Ich bin dafür, dass wir ihn weiterhin beobachten und zu einem geeigneten Zeitpunkt Mittel und Wege finden sollten, wie wir unsere Konzerne unauffällig in vorteilhafte Positionen manövrieren können. Er denkt, dass er immer noch im Geheimen agiert. Treten wir jetzt an ihn heran, wird er unsere Unterstützung später nie akzeptieren.

SD/nw

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MEMO: RE: RE: VERTRAULICH Bearbeiten

Datum: 9. Juli 2630 Von: Geraldo Pérez, Gründer des Freeman Institute An: (Liste vertraulich)

Sasha, hier geht es nicht nur darum, ob Unternehmen oder das Militär das zivile Leben kontrollieren. Sie wissen das. Und Sie wissen auch, dass ich ursprünglich Jon W. vorgeschlagen habe, diese Allianz zu formen, weil uns die Entwicklungen der letzten Jahre in der Terranischen Republik nachdenklich gemacht hatten. Am Anfang brauchten wir sicherlich eine starke Hand in der globalen Politik, die alle Parteien an einen Tisch bringen und zu einer einigermaßen harmonischen Zusammenarbeit zwingen konnte. Heute funktioniert diese friedliche Zusammenarbeit aber, und wir brauchen die starke Hand des Militärs nicht mehr, die alle Belange in unserem Leben kontrolliert. Die Mehrzahl der Menschen in der T.R. sind gute Leute. Sie denken wirklich, dass sie das richtige tun. Sie glauben wirklich, dass wir noch immer Gefahr laufen könnten, wieder in das Chaos und die Kriege der Vergangenheit zurückzufallen. Dem stimmte ich aber nicht zu. Ich bin der Ansicht, dass wir uns in den letzten zweihundert Jahren weiterentwickelt haben. Ich glaube, dass wir unsere Allianz voranbringen und eine Alternative zu der Politik der T.R. schaffen sollten. Wir werden zwar nur eine Partei der Geschäftsleute sein, aber wir werden für die Freiheit des Individuums eintreten. Wir müssen die Regierung aus unseren Geschäften und unseren Leben werfen!

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MEMO: RE: RE: RE: VERTRAULICH Bearbeiten

Datum: 10. Juli 2630 Von: Terrance Mattherson, Vorstandsvorsitzender Genudine Multiplanetary An: (Liste vertraulich)

Ich stimme sowohl Geraldo als auch Sasha zu, zumindest in einigen Punkten. Es geht hier definitiv nicht nur um unseren Profit, aber ich denke, dass dieser auch politisch zuträglich sein könnte. Wenn wir mehr Freiheit wollen – und wir brauchen wahrlich mehr Freiheiten für die Menschen – dann brauchen wir die nötigen finanziellen Mittel, um dafür zu kämpfen. Wir wissen aber alle, dass Connery ein Sturkopf ist, den keiner einfach so umstülpen kann. Und das habe ich auch gar nicht vor. Aber wir können jeden, der sonst mit ihm zu tun hat, "umstülpen". Ein Beispiel: Er braucht Geld. Hank Witherspoon, Ben Tolliver, Sarah James und Calvin Fitzgerald leiten die neun größten Banken der T.R., und alle haben sich um die Mitgliedschaft in Business Forward beworben. Wir kontrollieren also jetzt seinen Zugang zum Geld.

Connery wird Raumschiffe bauen müssen und auch sonst sehr viel Material und Ausrüstung benötigen. Jo Ann und Mike Conway leiten die Baugewerkschaft 437. Ohne sie kann niemand auf den dreizehn Planeten und Monden irgendetwas bauen. Wenn wir also etwas Geld locker machen für ein paar Problemfälle, auf denen die Gewerkschaft schon länger herumreitet, dann können wir sie sicher dazu bewegen, nach unserer Pfeife zu tanzen. Damit helfen wir nicht nur den Menschen, sondern auch noch unseren Geschäften.

Außerdem wissen wir, dass Connery bereits verschiedene Angebote von Sicherheitsdiensten eingeholt hat. Es handelt sich vielleicht nur um die üblichen Vorsichtsmaßnahmen, aber ich schätze, er rechnet mit Schwierigkeiten und will sich vor etwas schützen. Wie dem auch sei, uns sollte klar sein, dass die Sicherheitsdienste allesamt von milliardenschweren, multinationalen Konzernen geleitet werden. Um genau zu sein, besitze sogar ich zwei von denen und Gary hat zumindest eines unter seinen Fittichen. Ich denke, mittlerweile können Sie die Richtung erahnen, in die ich diese Angelegenheit lenken möchte.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Bildung einer politischen Partei als Opposition zur T.R. der beste Weg für uns ist, aber was ich vorschlage ist ein Zusammenschluss der Unternehmen, Gewerkschaften und, nun, auch der Söldner in einem neuen Konglomerat. Ohne unsere Dienste in Anspruch zu nehmen, wird Connery nicht mehr in der Lage sein, sein Penthouse zu erreichen, geschweige denn den Mondgürtel.

Wie immer weiß ich mögliche Denkanstöße von Ihnen zu diesem Thema zu schätzen.

TM/jp

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MEMO: RE: RE: RE: RE: VERTRAULICH Bearbeiten

Datum: 28. Juli 2630 Von: Geraldo Pérez, Gründer des Freeman Institute An: (Liste vertraulich)

Terry, solange wir den Fokus auf unser Hauptanliegen nicht aus den Augen verlieren, nämlich dass die T.R. ihre strangulierenden Regeln und drakonischen Gesetze lockert und den Menschen und Unternehmen mehr Freiheit gewährt, stehe ich diesem Vorhaben positiv gegenüber.

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MEMO: RE: RE: RE: RE: RE: VERTRAULICH Bearbeiten

Datum: 30. Juli 2630 Von: Jonathan Woodman, Vorstandsvorsitzender Woodman Alliance An: (Liste vertraulich)

Ein neues Konglomerat, Terry? Gib’s zu, du hattest das alles doch schon vor dem ersten Memo geplant und ausgearbeitet, du alter Fuchs! Aber das ist auch der Grund, warum wir dich so schätzen.

Wenn das funktioniert und wir als Erste Zugriff auf Alientechnologie bekommen, dann habe ich absolut kein Problem damit, unterm Strich noch ein paar Nullen mehr springen zu lassen. Wenn wir tatsächlich schon hierüber abstimmen sollten – ich bin dabei.

Neues Konglomerat? Das klingt verlockend. Wenn du nichts dagegen hast, dann lasse ich Mr. Kobashikawa mal ein paar Entwürfe für ein neues Logo ausarbeiten.

Jon W

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2631 Bearbeiten

Vorgeschichte Henry Briggs - 03/04/2631 Bearbeiten

An dem Tag, an dem er die Southwestern State University mit einem dreifachen Doktortitel in Xenobiologie, Kulturanthropologie und Linguistik abschloss, stampfte Henry Briggs, gerade 27 Jahre alt, mit Zuversicht von der Bühne. Er wusste, dass er trotz all seiner Probleme auf bestem Weg zu Ruhm und Reichtum war. Henry war ein Genie und die Menschen wären idiotisch, wenn sie nicht die Ehre haben wollten, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Ihm wurde jedoch nach zehn langen und angespannten Monaten voller Vorstellungsgespräche bei den prestigeträchtigsten Firmen und Universitäten kein einziger Job angeboten. Tatsächlich hatte er noch nicht einmal einen einzigen Anruf mit einer Absage erhalten.

Henrys Problem war nicht, dass er ein Genie war. Seine Noten bewiesen dies hinlänglich. Sein Problem war, dass er die Menschen nervös machte. In der Schule konnte er für sich allein sitzen und seine Arbeit erledigen, in der echten Welt hingegen musste er sich mit anderen auseinandersetzen und das ging nie gut aus. Er war gerade mal fünf, als er feststellte, dass er andere Menschen nicht mochte, einschließlich seiner Eltern. Die meisten Leute waren dumm und interessierten sich eher für Spiele oder zeitverschwenderische Gespräche, anstatt lieber Bücher zu lesen und sich zu bilden. Wenn er versuchte, ihre offensichtlichsten Fehler über das Thema, über das sie Bescheid zu wissen glaubten, zu verbessern, lachten und ignorierten sie ihn üblicherweise. Ihm wurde klar, dass er sie einfach zuerst ignorieren musste, wenn sie dasselbe mit ihm vorhatten.

Mit sechs Jahren brachten ihn seine Eltern zu einem Arzt, da sie bereits über sein Desinteresse daran, mit anderen Kindern zu spielen, sein fehlendes Einfühlungsvermögen, das offensichtliche Fehlen jeglicher sozialer Kompetenz und den Unwillen, diese zu entwickeln, besorgt waren. Der Arzt diagnostizierte ihn mit Asperger-Autismus und sagte, Henry wäre extrem intelligent und könnte es im Leben weit bringen, wenn er entsprechend gefördert würde. Sein neunmalkluges Verhalten hingegen würde ihm jedoch nie einen Liebenswürdigkeits-Preis einbringen.

Und so wuchs Henry Briggs - auf eigenen Wunsch wie auch durch die Umstände bedingt - ohne Freunde oder die Einsicht auf, jemals welche zu brauchen.

Henry schwor sich, dass er, sogar ohne feste Stelle, nicht bei seinen Eltern wohnen bleiben konnte, schluckte seinen Stolz hinunter und nahm jeden Job an, der ihm dabei helfen würde, die Miete für das winzige und fast unbezahlbare Besenkammer-Apartment aufzubringen. Er spülte Teller, wachste Autos, probierte sich im Telemarketing oder versuchte sich als Kindermädchen für irgendeinen verzogenen Vierjährigen, der ihm Pudding ins Gesicht schmiss und ihn so den Job kostete. Nach einem Tag des Toilettenreinigens im Altenheim eilte er stets nach Hause, ging ins Holonet und surfte in den Wissenschaftsforen. Er fluchte und zeterte über die verrückten Ideen, insbesondere wenn sie von irgendwelchen dieser hochrangigen, wohlinformierten "Wissenschaftlern" verbreitet wurden, die nicht einmal den Unterschied zwischen einem Quarkpartikel und einem Magerquark erkennen würden. Welche ungerechte Fügung ermöglichte es ihnen, Arbeit zu finden, während er keine fand?

Henry stellte sicher, allen klarzumachen, was er dachte. Er zerriss ihre Theorien. Er zerriss ihre politischen Ansichten. Er zerschmetterte jeden dummen Kommentar von ihnen, bis entweder jeder die Foren verlassen hatte oder er aus ihren Blogs geworfen wurde. Es kam ihm nie in den Sinn, dass dies die gleichen Leute waren, bei denen er sich für Arbeit oder staatliche Zuschüsse bewarb. Schließlich hatte er recht und es war auch sein gutes Recht, es alle wissen zu lassen. So musste Henry ein weiteres Jahr lang Dutzende verschiedener Jobs weit unter seinem Niveau annehmen. Und wenn er rausgeschmissen wurde, was jedes Mal passierte, schob er die Schuld auf den Job und akzeptierte niemals die Wahrheit.

Am 18. Februar 2631 bekam Henry einen Anruf von einer Frau, die nach einem Hundeausführer suchte. Auf dem Bildschirm sah er das mürrische Gesicht einer alten Dame in sehr förmlicher Geschäftskleidung. Sie sagte, sie hätte seinen Namen von einer der Job-Agenturen erhalten, bei denen er sich angemeldet hatte. Er sollte sich um einige Schäferhunde kümmern, sie drei Mal am Tag füttern, mit ihnen bei Bedarf hinausgehen und den Rest des Tages mit ihnen spielen.

Henry legte auf, ohne ihr auch nur eine Antwort zu geben. Seit er als Kind fünf Minuten versucht hatte, logisch mit einem Streuner um die Herausgabe seines Baseballs zu diskutieren, nur um als Lohn für seine Mühen in die Lippe gebissen zu werden, fürchtete er sich gerade vor großen Hunden beinahe zu Tode.

Die Frau rief einen Monat später erneut an. Er war kurz davor aus seinem letzten Job geschmissen worden und stimmte verzweifelt einem Treffen zu. Er wollte gerade auflegen, als sie fragte, ob er bereit sei, für den Job zu verreisen. Er nickte nur. Sie fuhr fort: "Nicht nur für ein oder zwei Stunden. Mindestens zwei Jahre. Möglicherweise drei."

Henry wusste, dass er keine andere Möglichkeit hatte. Ohne Geld wäre er gezwungen gewesen, wieder Zuhause einzuziehen. Sogar das Ausführen einer widerspenstigen Herde knurrender Schäferhunde war besser, als ständig von seinen Eltern daran erinnert zu werden, wie sehr er im Leben gescheitert war. "Zwei Jahre? Vielleicht drei? Warum nicht? Okay!", dachte er.

Am nächsten Morgen um 9.00 Uhr klopfte Henry an die Tür der Adresse, die ihm die mürrische Frau übermittelt hatte. Es hörte sich für ihn an, als würde jeder einzelne Hund der Welt auf der anderen Seite der Tür unglaublich laut bellen.

Die mürrische Alte öffnete die Tür, begutachtete ihn und führte ihn mit einem missgönnenden Schnaufer der Akzeptanz hinein. Schon der Flur war größer als sein Apartment. Er war größer als das gesamte Haus seiner Eltern. Er war mit dunklem Kirschholz bekleidet und vom Boden bis zur Decke mit Fotos übersät. Henry warf einen Blick auf sie und rang nach Luft.

"Das ist Präsident Connery!", stotterte er. "Er ist auf allen Fotos. Und die anderen Menschen. Ich kenne sie. Das heißt, ich erkenne sie zumindest. Das sind die Anführer der T.R. Ein Haufen Faschisten, wissen Sie. Ich kann ihnen beweisen, dass –" Er sah, wie sie ihn anstarrte und er erinnerte sich an etwas, was ihm sein Vater gesagt hatte, als Henry einmal auf dem Weg zu einem weiteren Vorstellungsgespräch gewesen war. "Mein Sohn, ich habe einen Rat für dich, und auch falls du vorher noch nie auf mich gehört haben solltest, hör mir jetzt ganz genau zu. Falls irgendwer, der dich einstellen will, dich ansieht, als wenn er dich in Brand stecken wolle, streite dich nicht mit ihm. Halte einfach deine Klappe. Sag kein weiteres Wort. Tu mir den Gefallen, okay?"

Henry verstummte mitten im Satz und lächelte sie an. "Präsident Connery. Ich, ähm, hab für ihn gestimmt. Genau." "Die Hunde, die Sie ausführen werden, gehören Präsident Connery. Ehemaliger Präsident, um genau zu sein. Er kann bedeutungslose Titel nicht ausstehen. Er hat dem Volk gedient und ist zurückgetreten. Er ist jetzt ein Zivilist und zieht es vor, bei seinem normalen Namen genannt zu werden. Tom. Nicht Thomas, sondern Tom. Natürlich müssen Sie sich dieses Recht erst verdienen und werden ihn nur als ‚Sir‘ oder ‚Mr. Connery‘ ansprechen. Haben Sie das verstanden?"

Sie starrte ihn immer noch an, als wollte sie ihn in Brand stecken, also nickte Henry stumm.

Er wusste, dass Tom Connery als ehemaliger Präsident der Terranischen Republik nicht nur für seine Amtszeiten, sondern ebenso für sein Schaffen davor und danach äußerst beliebt war. Connery war ein Weltraumkolonisator gewesen, einer der Planeten im Sonnensystem erschloss und bewohnbar machte. 2615 entdeckte Connery den "Mondgürtel", ein karges Teilstück des eisigen, sich von der Umlaufbahn des Neptuns bis ins Nirgendwo erstreckenden Kuipergürtels.

Henry hatte alle Nachrichtenmeldungen gelesen. Connery und seine Mannschaft hatten die Überreste des Pluto sowie hunderter anderer Monde gefunden, die bereits Jahrtausende vor der Abkühlung der Erdkruste und der ersten sich zerteilenden Einzeller zerstört worden waren. Die Entdeckung von etwas anderem als Eis und nicht zuletzt den Bruchstücken des zerstörten Zwergplaneten im Kuipergürtel war mit einem Wunder zu vergleichen. Es gab Gerüchte, dass einige der größeren Brocken Hinweise auf außerirdisches Leben geben würden, was von Connery weder verneint noch bestätigt wurde. In den hunderten Jahren, in denen Weltraumfahrten zum Alltag geworden waren, hatte niemand irgendwelche Zeichen für außerirdisches Leben finden können. Niemand hatte jedoch irgendwelche Zweifel daran, dass Tom Connery es finden würde, sofern es wirklich existierte.

Im Mai 2618 starb Martin Harris, der Vizepräsident der Terranischen Tepublik, an Herzversagen. Präsidentin Sylvia Wyatt fragte Connery, ob er die Position für die letzten Monate ihrer Amtszeit übernehmen wollte. Obwohl niemand es erwartet hätte, nahm Connery das Angebot an. Als die Amtszeit von Präsidentin Wyatt endete und sie in den Ruhestand ging, kandidierte Connery für das Amt und gewann die Wahl am 10. November 2618 fast einstimmig. Er durchlief drei vierjährige Amtszeiten und trat letztendlich im Januar 2630 mit der Absicht, zum Mondgürtel zurückzukehren, zurück.

Henry hatte eigentlich nicht für Connery gestimmt. Henry wählte nie. Er betrachtete Politiker als Übel, welches er ausgelöscht hätte, wenn er dazu in der Lage gewesen wäre. Aber Connerys andere Errungenschaften und Entdeckungen ließen ihn sogar in einem akzeptablen Licht erscheinen. Falls Henry sich dazu entschlossen hätte, zur Wahl zu gehen, wäre Connery für ihn die einzige Option gewesen.

Aber wie jeder andere auf der Welt auch hatte Henry über Connerys Hunde gelesen. Er erinnerte sich, dass die Tigershark ein schrottreifer Frachter gewesen war, der auf Devi, dem vierten Mond Shivas, abgestürzt war. Connery war gerade auf seiner Rückkehr vom Mondgürtel, als er den Notruf empfing. Als er und seine Mannschaft zur Rettung kamen, fanden sie über 60 hungrige und verängstigte Welpen vor, jedoch keine Anzeichen dafür, dass jemals Menschen an Bord gewesen waren. Was mit ihnen passiert und wie das Schiff auf Devi notgelandet war konnte nie in Erfahrung gebracht werden. Die Welpen wurden unter der Mannschaft aufgeteilt. Connery adoptierte sechs von ihnen. Über ihre Loyalität gegenüber ihrem Herrchen war genauso viel geschrieben worden wie über die seinige zu ihnen. Selbst als Präsident ging Connery nirgendwo ohne sie hin.

Henry schluckte erneut. Er sollte Connery auf eine drei Jahre dauernde Reise begleiten. Offensichtlich wollte Connery zurück zum Mondgürtel und er sollte ihn begleiten. Seine Gedanken rasten. Warum zurückkehren? Warum nicht neue Gebiete erkunden? Hatte er auf seiner ersten Reise etwas gefunden, dass es erneut zu finden galt? Hatte Connery Anzeichen außerirdischen Lebens gefunden? War auf dem Mondstück, das er nicht hatte erreichen können, noch etwas zu finden? Etwas wofür er ... bessere Ressourcen benötigte? Größeren Einfluss? Technologien, die für die Zivilbevölkerung nicht zugänglich waren? Das könnte etwas Großartiges bedeuten.

Falls dem so sei, wunderte sich Henry, war das auch der Grund, warum er die Stelle als Vizepräsident annahm und später als Präsident kandidierte? Hatte er diese Positionen nur bekleidet, um zu erlangen, was er benötigte, um später zum Mondgürtel zurückkehren zu können?

Connery war eindrucksvoller als Briggs erwartet hätte. Groß gewachsen, fit, distinguiert und wortgewandt, sodass er mit seinem scharfen Sinn für Humor jeden seiner Kritiker in die Schranken weisen konnte. Henry billigte dies. Die Menschen mussten in ihre Schranken gewiesen werden. Wenn Henry dies versuchte, blickten sie ihn danach natürlich an, als würden sie sich wünschen, dass sie Plasmakugeln aus ihren Augen auf ihn abfeuern könnten. Wenn Connery hingegen so handelte, verstanden sie irgendwie, dass er sie dazu bringen würde, klügere Entscheidungen zu treffen. Während Briggs Connery so studierte, tat dieser dasselbe mit ihm.

"Sie mögen Hunde wirklich nicht, oder Henry?"

"Nein. Ihre sind aber nicht so schlimm. Zumindest versuchen sie nicht, mich zu fressen"

"Dafür haben wir Sie auch nicht angestellt, das wissen Sie. Sie sind viel schlauer, als Sie es gerade vorgeben. Ich habe Ihre Akten und Ihre Blogeinträge gelesen. Sie wissen nicht, wie man mit anderen Menschen umgeht, und ob Sie’s nun einsehen wollen oder nicht, in unserer Welt benötigt man diese Fähigkeit."

"Aber ..." Henry wollte das bestreiten, aber Connery unterbrach ihn.

"Halten Sie die Klappe, Henry, und hören Sie zu. Es gibt dort draußen viele andere Xenobiologen und ich könnte jeden von ihnen anstellen. Sie haben zwar keine Ahnung, was es heißt, mit Menschen umzugehen, aber irgendwo in ihrem verrückten kleinen Gehirn ist das Genie versteckt, das Dinge verstehen kann, die nicht menschlich sind. Sie sind nicht in den Gedankengängen anderer gefangen, Henry. Ihre Gedanken fliegen an Orte, die andere sich nicht einmal vorstellen können. Deshalb wollte ich, dass Sie mich begleiten. Aber verrücktes Getue kann ich nicht ausstehen. Und ich toleriere keinen Unfug. Und ich werde auch – prägen Sie sich diesen Part besonders ein – ich werde auch Sie nicht tolerieren, wenn Sie sich nicht Ihrem IQ entsprechend benehmen. Selbst wenn Sie ein falsches Lächeln aufsetzen müssen und so tun müssen, als würden Sie die Arbeit mit anderen genießen, werden Sie es tun, oder ich schieße Ihren Arsch schneller als Sie glauben auf die Erde zurück. Es wird eine sehr lange und anstrengende Reise werden und ich kann es niemandem erlauben, sie für alle anderen zu ruinieren, selbst wenn er so schlau ist wie Sie."

"Aber ..."

"Habe ich gesagt, dass Sie reden dürfen? Ich glaube nicht. Sie werden tun, was ich Ihnen sage, und als Gegenleistung werden Sie sehen, was nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Ich habe Ihre Doktorarbeit gelesen, Henry, und glauben Sie mir, dass alles, was Sie erleben werden, nahezu alle von Ihnen dargestellte Theorien bestätigen und wahrscheinlich sämtliche Ihrer Fragen beantworten wird. Also, Henry, sind Sie bereit, sich der menschlichen Rasse anzuschließen, damit wir etwas über andere in Erfahrung bringen können?"

Henry starrte Connery eine lange Zeit an, bevor er antwortete.

***

Sie hatten 15 Monate gebraucht, um den Mondgürtel zu erreichen, und drei weitere Monate, um ein bestimmtes Fragment zu finden, das, so Briggs, nicht mehr als knapp einen Kilometer lang und weniger als einen halben Kilometer breit war. Es war eine unscheinbare, hauchdünne Steinschicht, die vielen der verschiedenen Bruchstücke ähnelte, die sie bereits vorher gefunden hatten. Für jeden, der den Mondgürtel erkundete, hätten diese Steine wie all die anderen ausgesehen. Connery hingegen sah das anders.

Connery hatte bei seiner ersten Reise einen hochfrequenten Signalpuls mit sich ständig wiederholendem Rhythmus entdeckt. Das Muster war nicht natürlichen Ursprungs und musste erschaffen worden sein. Die Frage war jedoch: Von wem oder was? Connery hatte nicht die nötigen Gerätschaften, um die Quelle zu lokalisieren, und schwor sich, zu einem späteren Zeitpunkt mit den nötigen Ressourcen zurückzukehren. Henry hatte Recht. Connery hatte seine Verbindungen als Präsident der Terranischen Republik genutzt, um alles, was er brauchte, zu besorgen.

Henry Briggs war an Connerys Seite, als die Schalldetektoren die Quelle der Rhythmen orteten, nachdem sie den Felsen bereits eine Woche untersucht hatten. Er half Connery dabei, die Felswand zu durchbohren. Dahinter lag ein kleiner Tunnel. Er war hinter Connery, als sie am hinteren Ende des Tunnels dieses Ding fanden, das synchron zu den Rhythmen pulsierte und halb vom Stein bedeckt lag. In unmittelbarer Nähe sah Briggs eine kleine Statuette, die nicht größer als 20 Zentimeter war und ebenfalls in Stein eingefasst war. Sie war definitiv nicht menschlichen Ursprungs.

Sie durchsuchten den Tunnel eine weitere Woche, bevor sie aufbrachen. Zurück im Schiff starrte Henry auf die kleine Statuette in seiner Hand und wusste, dass dieser Moment sein Leben für immer verändern sollte.

Was er nicht wusste und auch nicht wissen konnte, war die Tatsache, dass er sechzehn Jahre später auf einem Planeten auf der anderen Seite des Universums eine zweite, identische Statuette finden würde. Er konnte nicht wissen, dass er durch seine Entdeckung der erste Mensch sein würde, der eine echte außerirdische Stimme vernehmen sollte. Sie würde direkt mit ihm sprechen.

Er konnte ebenfalls nicht wissen, dass Henry Briggs genau zehn Jahre nach diesem historischen Tag Selbstmord begehen würde.


2636 Bearbeiten

Holovid Thomas Connery - 18/01/2636 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Tagebuch von Thomas Connery, 18. Januar 2636 Ich hab das Ding hier schon so lang nicht mehr aufgefrischt. Auf geht’s:

Vor zwei Jahren, im Mai 2634, kehrte meine Crew zur Erde zurück und verkündete unsere Entdeckung. Die Enthüllung dieser einzelnen außerirdischen Statuette führte zu einer förmlichen Explosion der Neugier und zu einer Erforschung des Weltalls, die meine Vorstellungen bei weitem überstieg. Tausende Sternenkreuzer und Raumhüpfer wurden in Windeseile zusammengezimmert und in die Leere geschickt. Jeder wollte der Erste sein, der reiche Beute macht, Alien-Artefakte aufspürt, deren Kunst entdeckt, ihre Maschinen und Gerätschaften findet, herausfindet, wie sie genau aussehen und dann – der heilige Gral der Weltraumforschung – tatsächlich außerirdisches Leben findet.

Wir sind genauso zu den Sternen aufgebrochen, wie es unsere Vorväter damals mit den Weltmeeren gemacht haben müssen. Wir hatten bereits das Sonnensystem kolonisiert, von Menschen bewohnte Städte florierten auf vielen Planeten und Monden. Jetzt jedoch stießen wir in eine Galaxie vor, die den Menschen vorher unbekannten Nervenkitzel und Aufregung versprach. Natürlich wollte jeder die Außerirdischen finden, aber der Reiz des Unbekannten war ein ebenso starker Köder. Dieses einzelne Fundstück führte zu einer enormen Entwicklung der Raumfahrttechnik, um schneller und weiter vorzudringen und die verbliebenen Alien-Artefakte vor den anderen zu finden. Ich war sehr aufgeregt, was sie wohl im und hinter dem Mondgürtel finden würden und womit mich meine Nachfolger übertrumpfen würden. Wir dachten, wir würden Zeugen des Anbruchs eines neuen goldenen Zeitalters werden.

Zwei Jahre später jedoch, nachdem die Entdecker selbst den kleinsten Kiesel im Mondgürtel auseinandergenommen und bis weit über den Pluto hinaus jeden Planeten und Himmelskörper untersucht hatten, gab es keine weiteren Funde. Keine weiteren Statuetten. Keine Spur von Kunst. Keine Maschinen oder Gerätschaften. Keine Zeichen außerirdischer Intelligenz. Plötzlich beendeten alle, abgesehen von den leidenschaftlichsten Entdeckern, ihre Suche. Einige Medien bezichtigten mich, ich hätte das Artefakt selbst hergestellt, damit es so aussähe, als wäre ich auch weiterhin der große Entdecker, der ich in meiner Jugend war. Zum Glück hatte ich über die Jahre einen so guten Ruf erworben, dass es nur wenige Kritiker gab und noch weniger diesen zuhörten. Die Tausenden an Entdeckern, die mit leeren Händen zur Erde zurückkehrten, waren gelinde gesagt enttäuschend.

Vor ein paar Tagen habe ich allerdings mit Henry zusammen zu Abend gegessen. Der unbeholfene und reizbare Junge, den ich vor fünf Jahren zum ersten Mal getroffen habe, hat ganz schön was aus sich gemacht. Er ist jetzt ein um einiges angenehmerer Zeitgenosse, ein guter Freund und unser hervorragendster Xenobiologe. Bei Steak und Wein erwähnte er, dass sich das Wurmloch in ein paar Jahren erneut öffnen sollte. Diesmal hätten wir die Möglichkeit dazu, hinzufliegen und es aus nächster Nähe zu studieren.

Silvester 2636 ist nun einige Wochen her. Das Wurmloch sollte sich, sofern es sich nicht verspätet, 2640 wieder öffnen. Ein bischen mehr als zwei Jahre, um die Schiffe bereitzumachen und zu starten. Weniger als zwei Jahre, um die Koordinaten zu erreichen. Es würde eines enormen Aufwands bedürfen, die Reise möglich zu machen, aber die Vorstellung, einen unbekannten Bereich des Universums zu entdecken, erregt mich mehr, als es irgendwas seit Jahren getan hat. Ich könnte es schaffen. Ich muss es schaffen.

Und ein Trip durch ein Wurmloch schlägt die Pensionierung um Längen.

Tom Connery. Ende des Holovid-Tagebuchs.


Protokoll des Senats der Terranischen Republik, 21. Januar 2636 Bearbeiten

Anwesend sind alle zwölf Minister, der ehemalige Präsident der T.R., Tom Connery. Protokollsekretär Steven Sava. Sitzungsbeginn um 9.30 Uhr.

MINISTER HEYWOOD CUDEN (M. HC): Ich verstehe nicht, warum Sie so auf dieser Sache beharren, Tom. Tausende Privatpersonen und Militärangehörige haben den Mondgürtel wer weiß wie lange nach außerirdischem Leben durchsucht. Wenn da irgendetwas wäre, hätten Sie es mit Sicherheit gefunden.

TOM CONNERY (TC): Wir haben die Statuette gefunden und alle Wissenschaftler haben ihre Echtheit bestätigt. Sie sind dort draußen, wir haben sie nur noch nicht gefunden. Mal davon abgesehen sprechen wir hier nicht über den Mondgürtel, sond–

MINISTER WARREN MITCHELL (M. WM): Entschuldigen Sie die Unterbrechung, Tom, aber haben Sie je daran gedacht, dass die Aliens, sollten sie wirklich existieren, gar nicht gefunden werden wollen? Oder vielleicht sind sie bereits ausgestorben, als wir gerade noch aus den Meeren gekrochen sind? Ihr Aussterben würde erklären, warum wir sie nicht finden können.

TC: Das würde lediglich erklären, warum wir kein lebendiges Alien finden konnten, aber nicht das Fehlen irgendwelcher Überreste. Weder ihre Häuser, ihre Wissenschaft oder ihre Technologie. Mit Ausnahme der Statuette existiert deren gesamte Zivilisation und Kultur weder in unserem Sonnensystem noch in der bekannten Galaxie.

M. WM: Es sei denn, Mr. President, die von Ihnen gefundenen Mondfragmente wären Überrest Ihres Planeten. Ihre Welt könnte zerstört worden sein, all die von Ihnen genannten Dinge eingeschlossen.

TC: Ihre Welt wurde vernichtet und lediglich eine einzige, unzerstörbare Statuette blieb als ausschließliches Relikt einer gesamten Zivilisation übrig? Meinen Sie nicht, sie hätten daran gedacht, irgendeine Art Bauwerk aus diesem vollkommen undurchdringlichen Material zu fertigen? Sie erinnern sich schon noch an das Wurmloch, oder?

MINISTER NOEL WATKINS (M. NW): Tom, ich möchte Sie höflich darum bitten, auf Ihre Umgangsformen gegenüber dem Senat zu achten. Und ja, das Wurmloch, das sich vor über zweihundert Jahren geöffnet hat?

TC: Fast dreihundert. Das Wurmloch wird sich in ungefähr zwei Jahren erneut öffnen.

M. HC: Wir leben in Frieden, Tom. Wir sind wohlhabend und wir brauchten es schon bei der letzten Öffnung nicht. Seither hat sich nichts geändert.

TC: Ich denke schon. Denken Sie nur einmal an die Dinge, die wir in den zwei Jahren erreicht haben, nachdem wir ein einziges Stück einer Alien-Zivilisation gefunden haben. Wir haben den Weltraum doppelt so weit kartografiert, wie wir jemals zuvor von der Erde entfernt waren. Astronomisch gesehen ist der Mondgürtel nicht weit von der Position des Wurmlochs entfernt. Ich habe ein Dutzend der weltbesten Astrophysiker zu Rate gezogen, und sie haben mir die Stichhaltigkeit meiner Hypothese bestätigt.

M. WM: Die da wäre?

TC: Wir wissen nicht genau, wann oder warum sich das Wurmloch zum ersten Mal geöffnet hat, aber die Erkundung der Gegend ergab sehr spezifische Strahlenwerte auf niedrigem Niveau. Genau die gleichen Strahlenwerte konnten ebenfalls im Mondgürtel gemessen werden. Die Astrophysiker und ich stimmen darin überein, dass es eine Verbindung geben muss, obwohl wir zugegebenermaßen nicht genau einschätzen können, welche es sein könnte. Vielleicht wurden die Monde – und nicht zu vergessen auch Pluto – zerstört, als sich das Wurmloch zum ersten Mal öffnete. Vielleicht kam etwas hindurch und zerstörte sie, aber es besteht kein Zweifel daran, dass diese zwei entfernten Orte über die gleiche einzigartige Strahlung verfügen.

M. NW: Und was genau soll das heißen?

TC: Das kann man nicht genau sagen, aber ich glaube fest daran, dass die von uns gefundene Statuette versehentlich während einer der wiederkehrenden Öffnungen durch das Wurmloch fiel. Das würde erklären, warum wir keine sterblichen Überreste, Gebäude oder Gegenstände finden können. Sie existieren, jedoch sind sie auf der anderen Seite des Wurmlochs. Am anderen Ende der Galaxie.

MINISTER ADAM MILLER (M. AM): Für den Fall, dass das stimmt, Sir: Was erwarten Sie von uns?

TC: Wie Sie bereits vorhin erwähnten, haben Tausende von Schiffen den Mondgürtel erkundet. Viele dieser Schiffe wurden ausgemustert. Ich beantrage die nötigen Mittel zur Wiederinbetriebnahme von nicht mehr als zweihundert von ihnen. Ich möchte eine freiwillige Mannschaft aufstellen, sie zum Wurmloch führen und, sofern es sich als sicher herausstellt, hindurch fliegen. Haben Sie eine Vorstellung davon, was wir lernen können? Was wir finden werden? Und könnten Sie, falls ich Recht habe und die Statuette wirklich von dort kommt, den ersten Kontakt der Menschheit mit den Außerirdischen ablehnen? Wir könnten innerhalb eines Jahrzehnts ein zweites Goldenes Zeitalter der Menschheit erleben.

MINISTERIN ALICE CANTARI (M AC): Mr. President, für mich besteht das Problem in der Frage, was passiert, wenn sich herausstellt, dass sie feindselig sind und Sie ihnen den Weg zurück zur Erde gezeigt haben. Wir haben die letzten 200 Jahre so hart an unserer perfekten Welt gearbeitet. Wir sollten nicht unnötig Staub aufwirbeln.

M. AM: Sollten sie wirklich intelligent und feindselig sein, wäre es auf der anderen Seite durchaus ratsam für uns, zu ihnen zu reisen und ihre Absichten zu erforschen, als auf der Erde auf einen Überraschungsangriff zu warten. Vergessen Sie nicht, dass Pluto in die Luft gejagt wurde. Falls die Außerirdischen wirklich dazu im Stande sind, ganze Planeten zu zerstören, sollten wir vielleicht die Initiative ergreifen. Wir sollten unser Köpfe nicht in den Sand stecken, wenn –

M. NM: Schauen wir weiter, okay? Tom, ich gehe davon aus, dass Sie Ihre Kostenaufstellung dabeihaben?

ANMERKUNG: FINANZDATEN ZENSIERT.

M. HC: Tom, selbst wenn wir uns zur Finanzierung des Ganzen entscheiden sollten, und selbst für den Fall, dass Sie eine Mannschaft zusammenbekommen, die eine solch gefährliche Reise ohne genaues Ziel oder gar ohne die Aussicht auf eine tatsächliche Rückkehr antreten möchte, ist dies immer noch eine sehr knappe Zeitplanung. Wenn ich die benötigte Zeit für die Planung überblicke, ist es meiner Meinung nach unmöglich, eine Flotte bereitzumachen und zum Wurmloch zu gelangen, bevor es sich schließt.

TC: Minister Cuden, die Schiffe sind bereits vorhanden. Hunderte riesige Schiffe, die den Planeten seit dem Ansturm auf den Mondgürtel nicht mehr verlassen haben. Es würde nicht lange dauern, sie in Schuss zu bringen. Und ich glaube fest daran, dass wir mehr Freiwillige haben werden, als Sie sich vorstellen können, wenn Sie ihnen die Chance auf eine Reise zum anderen Ende des Universums in Aussicht stellen. Ich benötige jedoch die Finanzierung der Regierung. Vor allem benötige ich Ihren Segen.

Werte Minister, wir haben unsere Welt durch Erkundung gezähmt. Unsere historischen Entdecker bereisten Länder, von denen sie nicht einmal wussten, dass sie existieren, und sahen Dinge, die weit über ihre Vorstellungskraft hinausgingen. Wir haben dieses Sonnensystem auf dem gleichen Weg gezähmt. Jetzt haben wir eine echte Chance, nicht nur eine Handvoll Planeten zu zähmen, sondern das Universum. Wir müssen diese Chance ergreifen und herausfinden, was sich auf der anderen Seite des Wurmlochs befindet.

MINISTER GEOFFREY CUMMINGS (M. GC): Vielen Dank, Mr. President. Wenn es Sie nicht stört, würden wir die Sache gern in geschlossener Runde besprechen.

Protokollsekretär Steven Sava. Sitzung pausiert. Präsident Thomas Connery verlässt die Räumlichkeiten. Sitzung fortgeführt.

M GC: Lassen Sie mich eins klarstellen, wenn es für die Minister in Ordnung ist. Thomas ist ziemlich dickköpfig. Wenn wir ihn abweisen, wird er vor das Volk treten und seinen Fall darlegen. Bei seiner Beliebtheit werden wir überstimmt werden und am Ende stehen wir als Verlierer da. Ich glaube, dass wir es ihm erlauben sollten, die Erde für ein paar Jahre auf seiner idiotischen Mission zu verlassen, um ihn so aus der Öffentlichkeit fern zu halten, was uns letztendlich allen dienlich sein könnte. Was sagen Sie dazu?

M. AM: Ganz ehrlich, Geoffrey, ich bin empört. Tom hat mehr für die Menschheit getan als fünf beliebige historische Persönlichkeiten zusammen. Wir sollten seine Legende unterstützen, nicht daran arbeiten, ihn abzusägen.

M. GC: Vielleicht haben Sie mich missverstanden, Adam. Ich war dafür, ihm zu geben, was er verlangt. Lassen wir ihn eine Mannschaft aufstellen und auf seine Mission gehen. Wie kann das nicht als Unterstützung gelten? Und es ist nichts Falsches daran, wenn wir am Ende zusätzlich noch einen Nutzen davon ernten können.

M. HC: Adam, Geoffrey, lassen Sie die anderen sprechen und dann stimmen wir ab. Fangen wir mit Warren an.


Protokoll des Senats der Terranischen Republik, 21. Januar 2636 Bearbeiten

Anwesend sind alle zwölf Minister, der ehemalige Präsident der T.R., Tom Connery. Protokollsekretär Steven Sava. Sitzungsbeginn um 16.30 Uhr.

MINISTER HEYWOOD CUDEN (M. HC): Tom, wir haben uns beraten. Haben diskutiert. Wir glauben fest an den Nutzen der Erforschung. Letztendlich war es das, was unseren Planeten gerettet hat, als es bereits so aussah, als würden wir alle in unserem eigenen Hass versinken. Ehrlich gesagt glauben wir jedoch nicht, dass Sie in weniger als fünf Monaten eine Mannschaft auftreiben und ausbilden können.

TOM CONNERY (TC): Minister Cuden, falls ich darf ...

M. HC: Keine Unterbrechungen bitte, Tom. Wir glauben zwar nicht daran, dass Sie es schaffen, haben Ihre Fähigkeiten aber bereits in der Vergangenheit zu Unrecht bezweifelt. Sie haben mehr Wunder vollbracht als jeder andere lebende Mensch. Deshalb sind wir dazu bereit, Ihnen einen Deal vorzuschlagen. Wenn Sie die nötige Anzahl an Freiwilligen bis zum 12. Februar aufbringen können, werden wir unseren Teil der Abmachung einhalten und die Reparatur und Instandsetzung von 200 Schiffen finanzieren. Es hängt alles an Ihnen, Tom. Sie haben drei Wochen.

TC: Dann haben wir einen Deal, Sir.


Zusatz zum Protokoll vom 21. Januar 2636. Neues Datum: 3. Februar 2636:

Tom Connery hat unterschriebene Erklärungen von über 300.000 Freiwilligen für seine Wurmloch-Mission abgeliefert. Das geschah neun Tage vor der von den Ministern auferlegten Frist. Er gab zu Protokoll, dass er die Liste auf 75.000 reduzieren will. Um sie auf die Mission zu führen, hat er 128 Schiffe zur Instandsetzung angefordert. Als Starttermin wurde der 13. Mai 2638, der Jahrestag der Waffenruhe, ausgewählt. Die Minister stimmten den Forderungen von Präsident Connery einstimmig zu und gratulierten ihm persönlich. Minister Adam Miller unterstrich nochmals sein Verlangen, sich für diese Mission als Freiwilliger zu melden. Präsident Connery stimmte zu.

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2638 Bearbeiten

Vorgeschichte: Lizabeth Santiago - 10/04/2638 Bearbeiten

LIZABETH SANTIAGO, RAUMHAFEN SÃO PAULO, 10. APRIL 2638

237 Sternenkreuzer und Raumhüpfer wurden zur Raumschiffwerft von São Paulo geschleppt und dort ausgeschlachtet, um daraus weniger als 128 weltraumtaugliche Schiffe herzustellen. Jedes der neuen Schiffe würde mit neu eingestellten Antrieben, Stabilisatoren, Sensoren, Scannern, Treibstoffleitungen und Mannschaftsquartieren ausgestattet werden. 145 Lagerhäuser mussten sterilisiert und in provisorische Reinräume umgebaut werden, bevor die empfindlichen Bauteile aus den aus Australien, Asien und der Venus eingeflogenen Kisten entladen werden konnten.

Einige der Schiffe waren funktionstüchtige Frachter, die mit eigener Kraft fliegen konnten, aber es waren auch eine Menge Seelenverkäufer dabei, die per Hover-Rail nach Brasilien verschifft werden mussten. Der Senat musste an allen Ecken und Enden sparen, um Connerys Gesuch stattgeben zu können. Hunderte Techniker wurden eingeflogen, um zu bestimmen, welche Schiffe in weltraumtauglichem Zustand waren und welche lediglich als Ersatzteillager benutzt werden sollten. Die Raumschiffwerft von São Paulo war eine der größten der Erde und die ganze Aktion wurde unter die Aufsicht der Vorarbeiterin Liz Santiago gestellt, einer Instandsetzungsveteranin mit 15 Jahren Erfahrung, die von Connery darum gebeten worden war, an der Mission teilzunehmen. Sie lehnte das Angebot ab. Sie liebte ihren Job und hatte keinerlei Verlangen danach, in den Weltraum zu fliegen. Liz beaufsichtigte die Konstruktion verschieden großer Schiffe, die allesamt für die Weltraumerkundung gedacht waren, blieb jedoch mit ihren eigenen zwei Beinen lieber auf festem Boden.

Santiago saß in ihrem Büro und stellte nach dem Durchlesen der täglichen Frachtberichte eine Verbindung zu Gettysburg Food her, dem Lieferanten, der den Bieterkrieg um die Lebensmittellieferungen für die Flotte gewonnen hatte. "Wo zur Hölle bleiben die, Eddie?", rief sie. "Die verdammten Container sollten längst hier sein!" Gettysburg sollte ein Fünftel der Schiffe in Hydrokulturkammern umwandeln, in denen Obst, Gemüse und Getreide angebaut werden könnten. Milchprodukte würden künstlich hergestellt werden müssen, Wasser aus wiederaufbereiteten menschlichen Abfallprodukten hergestellt werden. Vier Wochen vor dem Stichtag im Mai war gerade einmal die Hälfte der nötigen Güter geliefert worden.

"Sie sind fast soweit", sagte Eddie. "Es gab einen Kühlmittelverlust bei der Kryogenik. Sie wollen ja bestimmt nicht, dass die Samen schon zu sprießen beginnen, bevor Sie den Mars erreichen. Wir brauchen noch zwei Tage länger, aber das lässt Ihnen immer noch genug Zeit. Kommen Sie, hab ich Sie je enttäuscht?" Liz hatte in der Vergangenheit bereits mindestens ein Dutzend Mal mit Eddie Abrams zusammengearbeitet. Obwohl er die Fristen immer bis ans Limit ausreizte, hatte er stets hervorragende Ergebnisse geliefert.

"Eddie, selbst für Ihre Standards sind Sie zu spät dran."

"Das wird schon, vertrauen Sie mir. Sie werden es mir später danken, wenn alles glatt geht."

"Darauf würde ich nicht zählen", sagte sie lächelnd, als sie die Verbindung beendete.

Die Weltraumreise war für 28 Monate ausgelegt, mit einem Spielraum von ein paar Wochen, abhängig vom Zustand des langsamsten Schiffes der Flotte. Auf dem Weg zum Neptun würden drei Nachtank- und Nachschubstationen angeflogen werden. Danach würde es bis zum Erreichen von Dosojin, Shiva und Shangdi, den entferntesten und erst kürzlich entdeckten Welten des Sonnensystems, keine Möglichkeit zum Aufstocken der Vorräte mehr geben.

Die Verbindung summte erneut. Präsident Connerys Name blinkte auf. "Bloß keine Schimpfwörter verwenden", erinnerte sie sich selbst im Stillen.

"Mr. President", meldete sie sich heiter.

"Liz, muss ich Sie immer wieder daran erinnern? Für Sie Tom."

Sie nickte. "Sie haben Recht, Mr. President. Sie müssen mich daran erinnern. Für mich werden Sie immer der Präsident bleiben, Sir."

Er seufzte und ging schnell zum Geschäftlichen über. "Wir haben bereits April und uns läuft die Zeit davon. Schaffen wir’s bis zur Deadline?"

"Selbstverständlich, Mr. President. Wir geben gerade den Mannschaftsquartieren den letzten Schliff. Auf jedem Schiff ist Platz für ungefähr 750 Leute. Sie haben sie ja gesehen, Sir. Keine Luxussuiten, wie Sie wissen. Der Wohnraum wird sehr begrenzt sein. Sogar Ihrer, Sir."

"Sie wollen den Präsidenten der Terranischen Republik tatsächlich einpferchen!", lachte er. "Ich dachte, Sie respektieren das Amt."

"Das tue ich, Sir. Und obwohl Sie tatsächlich nur ein ehemaliger Präsident sind, hab ich Ihnen zumindest ein eigenes Badezimmer beschafft. Wie viel mehr Respekt kann einem Mann entgegengebracht werden?"

Connery lachte. "Und ich kann Sie ganz sicher nicht zum Mitfliegen überreden, Liz? Das ist doch eine ziemlich aufregende Gelegenheit, mal davon abgesehen, dass Sie unverzichtbar wären."

"Das bin ich bereits, Sir. Das bin ich definitiv bereits."

Connery schenkte Ihr ein schiefes Lächeln, schüttelte den Kopf und beendete die Übertragung.

Liz beendete die Verbindung und machte sich auf zu ihrem täglichen Kontrollgang. Connery hatte ihr die Sicherheit von annähernd 75.000 Menschen anvertraut. Sie würde weder ihn noch einen von denen enttäuschen.

Liz Santiago war die unverzichtbarste Person im Raumhafen São Paulo und jeder, selbst ein ehemaliger Präsident der Terranischen Republik, wusste es.


Holovid von Thomas Connery - 14/07/2638 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Tagebuch von Thomas Connery, Commander, Terranische Republik, Discovery-1 14. Juli 2638

Es sind bereits 2 Monate von den insgesamt 28 Monaten unserer Reise in das Wurmloch und schließlich in die Zukunft der Menschheit vergangen. Trotz der unzähligen Dinge, die stets zu erledigen sind, bietet eine ausgedehnte Raumfahrt doch auch meist ausreichend Gelegenheiten, um in sich zu gehen. In letzter Zeit drehen sich meine Gedanken oft um den Krieg, so seltsam dies aufgrund der Tatsache, dass kein lebender Mensch diesen je erlebt hat, auch erscheinen mag.

Schon immer hat Krieg die Geschicke der Menschheit bestimmt und uns oft genug an den Rand der Auslöschung gebracht. Vor der Entstehung der Terranischen Republik erlebte die Erde kein Jahr ohne die Pestbeule des Krieges, keinen Augenblick des weltweiten Friedens, nichts als Zwietracht und Leid.

Nicht einmal unser unaufhaltsamer technologischer Fortschritt konnte uns davor bewahren. Die menschliche Bevölkerung des Planeten hatte die nachhaltige Höchstzahl schon längst überschritten. In den Vorjahren des großen Krieges stiegen die Spannungen immer mehr an, als verschiedene Nationen krampfhaft versuchten, die letzten Rohstoffe des Planeten unter ihre Kontrolle zu bringen. All dies war natürlich sinnlos, da die Weichen für diesen Konflikt schon Jahrhunderte zuvor gestellt worden waren.

Am Morgen des 18. Januars 2426 brach jener Konflikt aus, der den größten Verlust an menschlichen Leben mit sich bringen sollte, den die Erde je gesehen hatte. Als Reaktion auf Geheimdienstberichte, die direkt bevorstehende, gleichzeitige Angriffe voraussagten, erklärten sich die sechs größten Nationen der Erde gegenseitig den Krieg. Wie wir heute wissen, konnte sich in keinem der jeweiligen Länder jemand in der Befehlskette, der die Erstschläge überlebte, später daran erinnern, die Raketenstarts angeordnet zu haben. Genauso wenig wurde je bekannt, von wem die ursprünglichen Warnungen stammten. Doch sie alle wussten, dass der Krieg, der an diesem kalten Wintermorgen begann, schon lange erwartet worden war. Vielleicht sogar erhofft.

Das erste Jahr des weltweiten Konfliktes änderte alles, und zwar auf drastische Art und Weise. Beinahe die Hälfte der menschlichen Bevölkerung kam ums Leben, entweder im Krieg selbst oder wegen diesem. Unsere Waffen und Strategien erreichten weit mehr, als nur Ziele zu zerstören, sie legten unverzichtbare Bestandteile unserer Zivilisation still, von der Kommunikation bis hin zur Lebensmittelherstellung. Durch Krankheiten und Hunger starben genauso viele wie durch Geschütze und Bomben.

Aber dann, achtzehn Jahre später, am 19. Dezember 2444, endete unser letzter Krieg. Nicht etwa weil wir die Torheit unseres Tuns eingesehen hätten, sondern weil Wissenschaftler die Existenz des Wurmloches und damit auch die einer neuartigen Bedrohung aus dem Nirgendwo bekanntgaben. Wir waren nicht mehr allein. Alle vergangenen Wahrheiten wurden in dem Moment ausgelöscht, als sich uns das Universum öffnete, und sie wurden durch eine einzelne neue Wahrheit ersetzt: Wenn die Menschheit überleben wollte, müssten alle Nationen und Völker zusammenarbeiten.

Am 13. Mai 2445 wurde ein Waffenstillstand zwischen allen Staaten unterschrieben, der das Ende des Krieges festlegte. In den folgenden Jahrzehnten verschwanden erstaunlicherweise Grenzen von der Landkarte und Regierungen verschmolzen miteinander. Anstelle von beinahe zweihundert eigenständigen Nationen würde es in Zukunft nur noch einen vereinigten Planeten unter der Flagge der Terranischen Republik geben.

Repräsentanten aller vorherigen Nationalstaaten zogen in den neugegründeten Rat der Republik ein. Da den Verantwortlichen bewusst war, dass die Erde entweder gemeinsam in die Zukunft schreiten oder aber gemeinsam untergehen würde, schufen sie Gesetze, die zwar streng aber auch gerecht durchgesetzt werden würden. Die T.R. sah es als überlebensnotwendig an, dass kein einziges Individuum je wieder in der Lage sein würde, den sicheren Fortschritt aller aufzuhalten. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte herrschte Frieden auf der Erde. Ein Frieden, der von allen willkommen geheißen wurde.

Nach Ablauf der ersten zehn Jahre ihres Bestehens sah die Verfassung der Terranischen Republik freie und offene Wahlen vor. Die von allen Sorgen befreite Erdbevölkerung hatte keinen Bedarf an Veränderungen und bestätigte die Herrschaft der Terranischen Republik. Dasselbe wiederholte sich zehn Jahre später. Auch einhundert Jahre nach ihrer Gründung, in dem Jahr, in dem sich das Wurmloch erneut öffnete, wurde die Terranische Republik erneut bestätigt. Und auch im folgenden Jahrhundert änderte sich nichts an diesem Ablauf der Dinge.

Es gab einige, die gegen einen solchen vorgeschriebenen Frieden ankämpften, solche, die mehr wollten. Doch wenn sie zuschlugen, schlug die Terranische Republik noch härter zurück. Um die Aufrechterhaltung des Friedens zu gewährleisten erließ sie strenge Gesetze und ordnete harte Strafen an. Die Bevölkerung, die eine Zeit des Wohlstands erlebte, wie sie es in der Geschichte der Menschheit noch nie gegeben hatte, unterstütze die Republik in diesen Maßnahmen. Wie T.R.-Präsident Harrikan im Jahre 2598 verkündete: "Alle Bürger müssen der Republik gegenüber unbedingte Loyalität und Treue zeigen. Hartes Durchgreifen ist manchmal erforderlich, und wenn kleine Freiheiten aufgegeben werden müssen, um die anhaltende Sicherheit und den Wohlstand aller zu gewährleisten, dann sei es so." Unbedingte Loyalität und Treue gegenüber der Republik. Dies wurde der Leitspruch der Terranischen Republik. Ein Leitspruch, den sich auch die Bevölkerung zu eigen machte.

Auch ich habe am Tag meiner Vereidigung diesen Leitspruch zitiert, war allerdings in Bezug auf den zweiten Teil von Harrikans Aussage immer anderer Ansicht. Man sollte niemals Freiheiten aufgeben, um Sicherheit zu erlangen. Ein weit größerer Mann als Harrikan stellte dies bereits vor über 600 Jahren fest. Heute führe ich unter der Flagge der Terranischen Republik eine stolze und hoffnungsvolle Flotte auf eine neue Grenze für die Menschheit hinzu und somit auch in eine neue Zukunft. Doch obwohl auf unserer Reise zum Wurmloch bisher alles friedlich ist, verspüre ich einen besorgniserregenden Unterton. Ich glaube, dass es einigen in der Flotte vielleicht lieber wäre, wenn diese Reise scheitern würde und ich fürchte, dass die Zweifel anderer zu etwas weitaus Größerem heranwachsen könnten. Und während wir dem Wurmloch immer näher kommen verspüre ich noch etwas anderes: dieselbe unterschwellige Furcht, die mich schon auf meiner ersten Reise zum Mondgürtel begleitete und die mich warnte, kehrtzumachen, aber gleichzeitig weiter vorantrieb. Da draußen ist irgendetwas und ich werde davor gewarnt, mich ihm zu nähern, während mein Innerstes nicht dazu in der Lage ist, diesen Rat zu beherzigen.

Warum also, fragst du, der dies betrachtet, dich sicherlich, führe ich diese Expedition hinaus ins Nichts noch fort? Die Antwort auf diese Frage ist einfach und sie hat die Vorstellungskraft der Menschheit schon angeregt, als wir noch in den finstersten Höhlen lebten. Egal, wie viele Warnungen und Zweifel es gibt, und egal, wie aufrührerisch die Diskussionen werden oder wie viele Fäuste im Zorn gehoben werden, wird und kann die Menschheit sich doch nie von ihrer Zukunft abwenden. Im Heute wird geschehen, was geschehen muss, aber es wird doch auch stets ein Morgen geben.


2640 Bearbeiten

Holovid Tom Connery - 23/10/2640 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Bericht von Tom Connery, Commander, Terranische Republik, Discovery-1, 23. Oktober 2640

Ich versuche mich immer noch an die jüngsten Ereignisse von vor drei Tagen zu gewöhnen.

Das Wurmloch hat sich plangemäß am 20. geöffnet. Anfangs fühlte es sich an, als wäre mir eine Riesenlast von den Schultern genommen worden. Auf jedem offenen Kanal konnte man die Jubelschreie hören, nachdem die Öffnung bestätigt wurde. Die Zweifel der Menschen konnten mit unbestreitbaren Tatsachen endlich widerlegt werden. Die erste Welle von 38 Schiffen, einschließlich der Discovery-1, konnte es kaum erwarten, ihre Antriebe zu starten und durchzufliegen, aber wir waren bereits sicher auf der anderen Seite angekommen. Zwölf weitere Schiffe folgten uns durch den Riss. Das Wurmloch war nicht annähernd so tief, wie ursprünglich angenommen.

Unseren ursprünglichen Berechnungen zufolge hätte das Wurmloch eigentlich für annähernd zwei Wochen offen bleiben müssen, es begann sich jedoch schon zu destabilisieren, nachdem die ersten Wellen es passiert hatten. Ich konnte zusehen, wie sechzehn Schiffe gegen die extreme Gravitation ankämpften, die vom sich schließenden Riss ausging. Die elf dichtesten kamen durch, wurden jedoch schwer beschädigt. Kurz vor dem Zusammenbruch des Wurmlochs konnte ich beobachten, wie die letzten 5 gefangenen Schiffe von den Gravitationskräften auseinandergerissen wurden. Das Entsetzen, das ich fühlte, als ich zusehen musste wie Zivilschiffe zerstört wurden, die auf diese von mir geplante Reise gingen, war unbeschreiblich.

Ich wollte den Befehl geben, unser Schiff zu wenden und zur Rettung einzusetzen, aber es war bereits zu spät. Unsere Antriebe kämpften bereits gegen den gigantischen Gravitationstrichter an, der vom implodierenden Wurmloch hervorgerufen wurde. Wir standen kurz davor, wieder in den Riss hereingezogen und zerstört zu werden. Ich bin wirklich dankbar, dass wir es unbeschadet überstanden haben, obwohl ich noch immer nicht weiß, wie uns das gelungen ist.

Nachdem die Messungen keine weiteren Gravitationsanomalien mehr feststellen konnten, beauftragte ich das Militär damit, die Mannschaften der elf beschädigten Schiffe zu retten. Sensorenscans ergaben, dass die Antriebe dieser Schiffe sich überhitzten und kurz vor der Selbstzerstörung standen. Die Schiffe mussten zwar aufgegeben werden aber die Mannschaften hätte ich niemals ihrem Schicksal überlassen. Wir verloren zwar 200 Leben auf den beschädigten Schiffen, konnten jedoch durch die Rettungsmaßnahmen tausende weitere retten.

Zumindest am Anfang konnten sich die 40.000 Überlebenden glücklich schätzen. Für den Augenblick gab es eine Art Erleichterung oder sogar Zufriedenheit. Leider war das nur von kurzer Dauer.

Der Ernst der Lage stellte sich ebenso schnell ein, wie die Erleichterung verschwand. Ohne das Wurmloch gab es keine Möglichkeit, zur Erde zurückzukehren. Es gab keinen Weg, herauszufinden, was mit den anderen Schiffen passiert war. Waren sie auf der anderen Seite gefangen? Hatten sie überlebt? Es würde keine Antworten geben. Die Wissenschaftler versuchten es nicht mal mit Theorien. Niemand wusste, woher das Wurmloch gekommen und warum es wieder verschwunden war. Wir wussten nur, dass wir allein waren und dass wir keine Ahnung hatten, wo wir waren.

Selbst die Wunschvorstellung einer Rettungsmission von der Erde wäre für weitere 100 Jahre nicht realistisch.


Holovid Tom Connery - 24/10/2640 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Bericht von TOM CONNERY, Commander, Terranische Republik, Discovery-1, 24. Oktober 2640

Gestern fand ein Treffen mit Flottenberatern über die Verteilung der Ressourcen und die Pläne für die unmittelbare Zukunft statt. Die Ergebnisse sind ein wenig beunruhigend. Da ein Großteil der Schiffe, die es geschafft haben, zivile Schiffe waren, mangelt es uns zwar nicht an Ärzten und Ingenieuren, aber wir haben eine Vielzahl an Militär- und Versorgungseinheiten verloren. Lediglich drei der dreiundzwanzig Hydrokulturschiffe haben den Sprung unbeschadet überstanden und die einzigen überlebenden Schlachtkreuzer der Explorer-Klasse waren die beiden, die die Flotte anführten. Major Wilson hat mir unter vorgehaltener Hand erzählt, dass lediglich 1.100 Soldaten überlebt haben.

Ich bin über das Wohlergehen der Menschen extrem beunruhigt, da wir den Rest der Reise über äußerst limitierte Nahrungsreserven verfügen werden. Es kann bestenfalls beschwerlich werden. Ich hoffe nur, dass die Reise nicht den Willen der Menschen bricht.


2641 Bearbeiten

Holovid Tom Connery - 02/03/2641 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Bericht von TOM CONNERY, Commander, Terranische Republik, Discovery-1, 2. März 2641


Auch nach 5 Monaten haben wir es noch nicht geschafft, einen brauchbaren Planeten fürs Terraforming zu finden. Wir haben vor ein paar Monaten Messungen von einem Gasriesen sowie von einem Felsplaneten mit zu viel Stickstoff genommen, jedoch nichts Passendes gefunden. Als ob das nicht schlimm genug wäre, haben sich außerdem die Spannungen zwischen der T.R. und den Rebellen in letzter Zeit verstärkt und Colonel Morgannis ist zunehmend über einen Aufstand beunruhigt.

Da unbeteiligte Menschen in diesen immer turbulenter werdenden Zeiten verletzt wurden, hatte ich keine Wahl, als gegen meine grundlegendsten Prinzipien zu verstoßen. Um unsere Leute zu beschützen und den Frieden zu erzwingen, musste ich das Militär zu Hilfe holen. Die bewaffneten Patrouillen in den Gängen tun mir in der Seele weh, da ich weiß, dass mehr Soldaten nur weitere Unruhen provozieren. Ohne sie sehe ich jedoch keinen Weg, einen gewissen Grad an Sicherheit zu gewährleisten.


Holovid Tom Connery - 22/12/2641 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Bericht von TOM CONNERY, Commander, Terranische Republik, Discovery-1, 22. Dezember 2641

Es ist nun schon über ein Jahr her, dass wir das Wurmloch passiert haben und wir sind weiterhin auf verlorenem Posten. Selbstverständlich steht eine Rückkehr außer Frage, sodass wir nur nach vorn blicken können. Die Reise wird innerhalb der Flotte jetzt schon seit über einem Jahr als "Todesmarsch" bezeichnet.

Um die Menschen zu schützen, wurden strikte Ausgangssperren verhängt. Nichtsdestotrotz brechen regelmäßig Kämpfe innerhalb der Flotte aus. Anfangs wurden die Soldaten nur zu Betäubungsschüssen angewiesen, was sich jedoch schnell änderte, als die Aufständischen mit der Ermordung Unschuldiger anfingen.

Ich verstehe die Motive der Aufständischen nicht. Selbstverständlich verlief die Reise bisher nicht wie geplant und wir alle schmachten nach einer guten Mahlzeit, aber unsere letzte Hoffnung liegt in der Zusammenarbeit. Dennoch kommt es alle paar Wochen zu Todesopfern nach einem Kampf.


2642 Bearbeiten

Holovid Tom Connery - 03/01/2642 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Bericht von TOM CONNERY, Commander, Terranische Republik, Discovery-1, 3. Januar 2642

Ich hatte so große Erwartungen. Ich wollte glauben, dass wir als Rasse unsere niedersten Ängste überwunden hätten. Ich wollte nicht daran glauben, dass die Technologie das einzige war, das uns von unseren steinzeitlichen Vorfahren unterscheidet. Ich fürchte, dass ich falsch lag. An Bord dieser Flotte sind ein paar abscheuliche Menschen.

Gestern drangen 53 Aufständische in das Waffenlager an Bord des T.R.-Militärschiffs Explorer-5 ein. Sie ermordeten sechs Soldaten und stahlen beinahe 300 Cycler. Sie erzwangen sich mit den gestohlenen Waffen einen Weg auf die Brücke des Schiffs und verlangten dessen Übergabe vom Captain. Es wurde schnell klar, dass vernünftige Gespräche mit ihnen außer Frage standen. Sie verloren kein Wort darüber, wohin sie mit dem Schiff wollten, womit sie die Crew verpflegen wollten oder wie genau ein paar Dutzend bewaffnete Zivilisten einen Schlachtkreuzer bedienen wollten. Ich befahl den Einsatz eines Enterkommandos.

Im anschließenden Schusswechsel starben über 70 Menschen, einschließlich annähernd zwei Dutzend T.R.-Soldaten. Die Eindringlinge wurden fast komplett ausgelöscht, nur wenige überlebten schwer verwundet. Unsere größten Verluste waren die Tode von Captain Rebecca Grey und einiger weiterer Militärführer. Col. Morgannis und ich sind beide der Meinung, dass es sich um ein Selbstmordkommando zur Schwächung unseres Militärs gehandelt haben muss, da sie nach Eroberung der Waffen ebenso gut ein ziviles Schiff hätten kapern können. Stattdessen entschieden sie sich, eines unserer zwei Militärschiffe voller bewaffneter Soldaten anzugreifen. Sie hatten nie auch nur den Hauch einer Chance.

Die zivilen Minister erklärten unter dem Druck ihrer Wählerschaft den Ausnahmezustand für die Flotte. Die Militärpräsenz stieg dramatisch an. Die von mir eingeführte Sperrstunde wurde verschärft. Jeder musste nach dem Abendessen um 18:00 Uhr in seiner Kabine bleiben. Mit der Ausnahme unmittelbarer Familienmitglieder wurden private oder öffentliche Ansammlungen von mehr als drei Personen verboten. Ich habe alles versucht, um solche drakonischen Maßnahmen zu verhindern, aber die Wahl wurde getroffen. All jene, die Frieden und Sicherheit ersehnten, entschieden sich für eine Ausweitung der Militärpräsenz. Sie zogen die Sicherheit vor einer Minderheit der eigenen Freiheit vor.

Obwohl es durch die vermehrte Militärpräsenz keine weiteren Gewaltausbrüche mehr gegeben hat, sind die Menschen nun bereits seit über zweieinhalb Jahren innerhalb dieser Schiffe eingesperrt. Diese unterdrückenden Verordnungen, die wir den Menschen auferlegt haben, dienen nur dazu, sie noch mehr zu quälen.

Ich habe ein geheimes Treffen zwischen den zivilen Ministern und den Militärs einberufen, um eine Aufhebung der Restriktionen zu besprechen. Morgannis und ich haben einen Plan entwickelt, von dem wir hoffen, dass er die Menschen dazu bringen wird, die Waffen niederzulegen und mit uns zusammenzuarbeiten. Ich fürchte, wenn wir es nicht schaffen sie zu überzeugen, wird diese Flotte innerhalb eines Jahres nichts als eine Ansammlung an verfallenen Schiffen sein. Der Colonel und ich haben lediglich drei Tage Zeit, um eine Strategie zu entwerfen, bevor wir uns auf der Discovery-7 treffen.

Ich hoffe für die Flotte, dass wir es schaffen.


Holovid Richmond Morgannis - 05/01/2642 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Tagebuch von Colonel Richmond Morgannis, Chief Operations Officer, Terranische Republik, Discovery-1 5. Januar 2642

Für meine Tochter, Jessicana: Wir sind am Ende des Sonnensystems angelangt, und das nur aufgrund der Vision eines einzelnen Mannes, Tom Connery. Du kennst ihn als früheren Präsidenten und seit neuestem auch als den Mann, der die Menschheit dazu inspiriert hat, sich in das Unbekannte zu begeben.

Ich habe viele Jahre an seiner Seite gearbeitet und kenne ihn seit unserer gemeinsamen Zeit auf der Akademie. Er würde dir sicher sagen, dass seine Geschichte nur eine von vielen sei, die zu diesem Moment geführt habe. Aber ich denke, ich sollte das in einen größeren Kontext bringen. Vor dem 13. Mai 2445, an dem die Waffenruhe "den Krieg, der alle Kriege beenden sollte" zu einem Ende brachte, hatte die ewige Kriegslust der Menschen den Planeten nahezu komplett verwüstet. Als wir fast alle natürlichen Ressourcen des Planeten aufgebraucht hatten, begannen die Kriege um die kärglichen Reste, im vergeblichen Bemühen, für sich zu beanspruchen, was noch vorhanden war. Achtundsiebzig lange Jahre kämpften und hungerten wir, vernichteten alles, was uns lieb und teuer war. Millionen starben und trotzdem gab es kein Ende der sinnlosen Kriege.

Ich wünschte, es wäre anders, Jess, aber die Menschheit hat nicht deshalb aufgehört zu kämpfen, weil wir unsere Lektion gelernt hätten. Unsere gesamte Geschichte ist voller Belege dafür, dass wir nicht dazulernen. Nein. Wir haben deshalb aufgehört, weil Wissenschaftler eine historische Entdeckung gemacht hatten. Einen Riss im Weltraum in unserem Sonnensystem.

Es stellte sich sogar heraus, dass das Phänomen schon fast einhundert Jahre früher entdeckt worden war, am 28. November 2345. Es verschwand aber nur Wochen später, bevor es erforscht werden konnte. Die Regierung ließ das Gebiet von Sonden absuchen, aber es gab keine weiteren Sichtungen des Phänomens. Bis genau 98,3 Jahre später, am 16. März 2444. Dieses Mal konnten die Sonden das Phänomen untersuchen und ihre Informationen zur Erde schicken, bevor es erneut verschwand und gleichzeitig auch die Sonden ihre Funktion einstellten. Doch dieses Mal mussten die Wissenschaftler nicht im Dunkeln tappen. Die Sonden hatten drei möglicherweise miteinander in Verbindung stehende Entdeckungen gemacht, die die Geschichte der Menschheit für immer verändern sollten.

Die erste Entdeckung war der Riss im Weltraum, oder "Wurmloch" wie es dann genannt wurde. Wissenschaftler spekulierten darüber, dass dieses Phänomen einen fast sofortigen Sprung zwischen zwei bestimmten Punkten im Universum ermöglichen könnte, wodurch Reisen möglich wären, die uns unsere begrenzte Raumfahrttechnik niemals gestattet hätte. Wohin das Wurmloch führte, blieb aber im Dunkeln.

Trotz der gewaltigen Bedeutung, die ein Wurmloch hat, das in einen anderen Teil des Universums führt, wurde die Bedeutung des Wurmlochs – dasselbe, das uns schließlich hierher brachte – aber von einer anderen Entdeckung der Sonden in den Schatten gestellt.

Am Tag, als sich der Riss schloss, wurde der Zwergplanet Pluto unerklärlicherweise in Stücke gerissen. Wir hatten keine Vorstellung davon, was einen ganzen Planeten zerreißen könnte, aber du kannst dir sicher die Panik vorstellen, die nach der Veröffentlichung dieser Nachricht ausbrach.

Trotz Plutos Zerstörung war es aber die dritte Entdeckung der Sonden, die die größten Auswirkungen auf uns hatte.

Kurz vor der Zerstörung des Plutos und dem Zusammenbruch des Risses registrierten Wissenschaftler auf der ganzen Welt multispektrale Transmissionen, die vom Wurmloch direkt auf die Erde gerichtet waren. Wir waren gescannt worden, aber von was – oder besser "wem" – war nicht klar. Was oder wer auch immer es war, wir hatten jetzt den unwiderlegbaren Beweis dafür, dass wir nicht die einzige intelligente Lebensform im Universum waren. Die Implikationen waren klar: Was auch immer den Pluto zerstört hatte, hatte auch unseren Planeten gescannt und wusste von unserer Existenz.

Jess, uns wurde klar, dass es keinen Spielraum mehr für unsere kindischen Kämpfe und Kriege gab. Da draußen existiert etwas mit einer unglaublichen Macht und wenn wir als Spezies überleben wollen, mussten wir damit aufhören, uns selbst zu bekriegen. Wir würden lernen müssen, zusammenzuarbeiten, wenn wir überleben wollten.

Es dauerte trotzdem noch über ein Jahr, bis wir am 13. Mai 2445 einen Vertrag unterzeichneten, der alle Länder dazu verpflichtete, die Waffen niederzulegen und gemeinsam für die Zukunft der Menschheit zusammenzuarbeiten. Als ich als Kind die alten Videoaufzeichnungen dieser historischen Vertragsunterzeichnung sah, verstand ich sogar als Siebenjähriger schon die ungeheure Tragweite des Ganzen. Ich hätte aber niemals gedacht, dass du und ich einmal Teil dieser Geschichte werden würden.

In den nächsten einhundert Jahren arbeiteten wir tatsächlich zusammen und lernten, Kompromisse einzugehen und zu kooperieren. Und weißt du was? Wir bauten nicht nur die Erde wieder auf. Nein, wir erschufen auch neue Technologien, die es uns erlaubten, die verschwendeten natürlichen Ressourcen, denen wir all die Kriege zu verdanken hatten, wieder zurückzugewinnen. Wir machten unglaubliche Fortschritte in der Medizin, der Luft- und Raumfahrt, erfanden neue Materialien, entwickelten neue Verfahrenstechniken und neue Methoden der Nano-Landwirtschaft. Sogar ohne zu den Sternen zu fliegen, machten wir die Erde wieder zu einem Paradies.

Es gab keine Notwendigkeit mehr für nationale Regierungen. Die Terranische Republik arbeitete für alle und übernahm ihren Platz. Jede Nation entsandte Vertreter und die T.R. setzte sich zuallererst für die Verteidigung der Erde ein, dann für den Frieden, Wohlstand und technologischen Fortschritt für alle. Um Sicherheit und Fortschritt zu gewährleisten, erlegte die T.R. allen Menschen einen strikten Verhaltenskodex auf, dessen oberster Grundsatz folgender war: Niemand steht über dem Gesetz. Um Freiheit für alle zu gewährleisten, müssen alle denselben Regeln folgen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit würde es eine universelle Gleichberechtigung für alle geben.

Auf jede erdenkliche Weise war die T.R. erfolgreicher als selbst Optimisten es erwartet hätten.

Exakt 98,3 Jahre später, am 3. Juli 2542, öffnete sich das Wurmloch ein weiteres Mal. Unsere Sonden und automatisierten Verteidigungseinrichtungen waren bereit. Aber wir entdeckten keine weiteren Scans der Erde. Es wurde spekuliert, dass das, was wir als Alienscans interpretiert hatten, nur Reflektionen unserer eigenen Sensorimpulse gewesen waren. Einige Wissenschaftler meinten sogar, dass wir nie in irgendeiner Gefahr geschwebt hätten.

Eine fast schon vergessen geglaubte Angst ergriff uns wieder. Würden wir ohne einen so schwerwiegenden Grund für unsere Zusammenarbeit wieder auseinanderdriften und wieder in unsere alten Verhaltensmuster zurückfallen?

Aber wir fielen nicht zurück in die Barbarei. Über die Jahre hatten wir uns tatsächlich als Menschen und als Gesellschaft geändert. Mit dem unerschöpflichen Nachschub an Ressourcen und Rohstoffen gab es einfach keinen Grund mehr, Kriege zu führen. Wir hatten eine friedliche Welt geschaffen, um uns selbst zu retten, und wir waren erfolgreich. Befreit von der ständigen Notwendigkeit, um unser Überleben kämpfen zu müssen, fanden wir unseren vor langer Zeit verschütteten Entdeckergeist wieder.

Schon im Juni 2582 durchquerten Kolonieschiffe das Sonnensystem und machten Planeten und Monde bewohnbar. Für so lange Zeit waren wir an einen einzigen, winzigen Planeten gefesselt gewesen. Aber der Entdeckergeist, der schon Kolumbus zu seiner Suche nach neuen Ländern und Handelsrouten antrieb, beseelte uns von neuem und wir entdeckten ferne Welten jenseits des Pluto. Jess, als du sechs Jahre alt warst lebten wir auf dem Marsmond Phobos. Bevor wir ihn terraformt hatten, war er nur ein toter Felsen, danach ... Aber du erinnerst dich sicher an die wunderschönen Parks und Flüsse. Aus dem Tod entstand Leben.

Dieser Entdeckergeist übertrug sich wie ein Virus auf alle Menschen. Uns wurde klar, dass wir noch mehr erforschen und entdecken wollten, ja sogar mussten. An diesem Punkt begann die Geschichte von Tom Connery und er ist der Grund, warum du, ich und weitere 75.000 Menschen uns auf der größten Reise der Menschheit befinden.

Liebling, ich bin morgen bestimmt vor dem Abendessen von diesem Treffen zurück. Bis dahin habe ich dir Zugriff auf Toms öffentliches Tagebuch sowie mein privates verschafft. Wenn du seine Worte liest, und vielleicht auch meine, sollte die ganze Mission für dich in einem neuen, verständlicheren Licht erscheinen. Ich hoffe, es hilft dir zu verstehen, was dir bisher nur als abstrakt oder unerklärlich erschien und zeigt dir, warum wir so weit gekommen sind und nicht bereit sind, aufzugeben. Am Ende bleibt mir nur noch eins zu sagen: Wenn du unsere Worte interessant oder lehrreich, oder vielleicht auch nur amüsant gefunden hast, bitte ich dich, selber ein Tagebuch anzulegen, mit deinen eigenen Worten aufzuschreiben, was für eine Welt wir finden werden und welche wunderbaren Menschen du treffen wirst. Und wer weiß, Liebling, vielleicht werden deine Kinder und Enkel sich auch darüber freuen, deine Worte zu hören. Col. Richmond Morgannis, Holovid-Tagebuch ... Ende.


Während der nächsten Monate schaute ich mir Vaters Videotagebuch immer und immer wieder an. Und jedes Mal, wenn er mir seinen Abschiedskuss zuwarf und versprach, am nächsten Tag nach Hause zu kommen, konnte ich nicht anders als aus vollem Herzen zu weinen.

Als mein Vater und andere Funktionäre der Terranischen Republik an Bord der Colonial-7 ihre Shuttles bestiegen, um nach dem Treffen wieder nach Hause zu fliegen, zerriss eine gigantische Explosion den Shuttle-Hangar und vernichtete das Schiff. Man fand nie heraus, wer die Terroristen gewesen waren, die die Colonial-7 zerstört und meinen Vater und 591 weitere Menschen ermordet hatten.

Der 6. Januar 2642. Der Tag, an dem sich mein Leben für immer veränderte.


Terranische Republik – Eilmeldung – 06/01/2642 Bearbeiten

Heute um 9:00 Uhr wurden die Schiffe der Flotte durch gigantische Explosionen auf dem zivilen Raumschiff Discovery-7 erschüttert, was nur als "kaltblütiger Akt des Hochverrats durch Unbekannte" bezeichnet werden kann. Die tragische Zerstörung der Discovery-7 geschah während eines bisher geheim gehaltenen Treffens zwischen Mission Commander Thomas Connery, Militärvertretern der T.R. und mehreren zivilen Rebellenführern. Sowohl Commander Connery als auch alle 591 übrigen Schiffsinsassen fielen dem Anschlag zum Opfer.

Der Zweck dieses Geheimtreffens wurde uns vom ehemaligen Minister und derzeitigen Ratsmitglied der Terranischen Republik, Adam Miller, erläutert: "Das Treffen wurde eilig einberufen, um ein neues Friedensabkommen mit den Rebellen, als Antwort auf die vor drei Tagen stattgefundenen, bewaffneten Aufstände auszuhandeln". Weiterhin erklärte er: "Es war dazu gedacht, weitere Katastrophen zu verhindern."

Das Militär der Terranischen Republik reagierte schnell auf die Kriegshandlungen und verhängte eine temporäre flottenüberspannende Ausgangssperre. Miller gab ein offizielles Statement heraus, in dem er verlauten ließ, dass "... Bürger, die keine zulässigen Gründe für das Verlassen ihrer Quartiere nach der Ausgangssperre vorweisen können, unverzüglich in Gewahrsam genommen werden. Auch diesmal müssen alle Gesetze, wie vom verstorbenen Commander Connery persönlich festgelegt, einen kompletten und transparenten Wahlprozess durchlaufen. Das vorgeschlagene Gesetz hat den alleinigen Schutz der Flotte zum Zweck."

Auf Nachfrage stellte Miller noch weitere Details zu den zu ergreifenden Maßnahmen zur Verfügung. "Wir werden rasche Maßnahmen ergreifen und haben zwei mögliche Sicherheitsstufen vorgeschlagen, um die Verantwortlichen effizient dem Gesetz zu überführen", sagte Miller. Unser ‚Stufe 1‘-Plan sieht davor, dass individuelle Schiffe ihre eigenen Polizeieinheiten bestellen, die sich um die Aufklärung dieser schrecklichen Tragödie kümmern. Zusätzlich würde die derzeitige Ausgangssperre für diese Zeit ausgesetzt werden."

"Unser ‘Stufe 2’-Plan garantiert allerdings einen höheren Grad an Sicherheit für die Flotte", erklärte Miller. "‘Stufe-2‘ würde den Militärs der T.R. Kontrolle über alle Schiffe der Flotte sowie die rechtliche Grundlage für Untersuchungen geben, die das Ziel hätten, die Waffen aufzuspüren, die für den Anschlag auf die Discovery-7 eingesetzt wurden. Der Besitz ebensolcher Waffen würde ohne Gerichtsverhandlung mit dem Tode bestraft. Darüber hinaus muss sich jeder Bürger jederzeit ausweisen können und die Ausgangssperre würde in Kraft bleiben."

Ratsmitglied Miller versicherte den Reportern, dass "all diese Gesetze aufgehoben werden, wenn die Verantwortlichen dem Gesetz übergeben wurden. Zu diesem Zeitpunkt wird die Kontrolle wieder an die Zivilbehörden übergeben werden. Ich möchte nochmals klarstellen, dass Ihre Sicherheit unser vorrangiges Ziel ist."

Obwohl die Wähler noch vom gestrigen tragischen Verlust der Discovery-7 verunsichert waren, begann die Stimmabgabe für die verbindliche Abstimmung zu den Sicherheitsmaßnahmen um 15:00 Uhr. Die finale Auszählung eine Stunde später ergab eine knappe Zwei-Prozent-Mehrheit für die Sicherheitsmaßnahmen der Stufe 2.

Ranghohe Militärfunktionäre bestätigten, dass die Sicherheitsstufe 2 nicht später als morgen Mittag in Kraft treten werde. Ratsmitglied Miller gab erneut zu verstehen, dass sowohl er als auch alle anderen Beamten der T.R. die extreme Kontroverse dieser Maßnahmen verstünden und er versprach, dass sie ihre neue Autorität mit größtmöglicher Diskretion auf Fallbasis ausüben würden.

Miller verfasste daraufhin das folgende Statement an die Flotte: "Wir sind uns bewusst, dass die Sicherheitsstufe 2 nur mit einem sehr geringen Vorsprung gewonnen hat, aber dennoch die Wahl der Mehrheit bleibt. Diese Maßnahmen werden lediglich eingesetzt, um alle Bürger vor den Machenschaften derer zu schützen, die unseren geliebten Commander und die weiteren fast 600 Insassen der Discovery-7 brutal ermordet haben. Wir werden die für diese Massenschlachtung unserer Mitbürger Verantwortlichen finden und sie werden für ihre Taten bezahlen. Erst danach wird die Flotte zum normalen Alltag zurückkehren können."


Holovid Thomas Connery - 06/01/2642 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Tagebuch von Tom Connery, Commander, Terranische Republik, Discovery-1. 6. Januar 2642

Ich hätte wahrscheinlich wissen müssen, dass es ein Wunschtraum war. Hätte ich es akzeptiert, hätte ich heute nicht all das Blut an meinen Händen. Dann könnten fünfundsiebzigtausend Männer, Frauen und Kinder jetzt friedlich in ihren Betten auf der Erde liegen. Nicht hier, auf der anderen Seite des Universums, ohne die Chance auf eine Rückkehr nach Hause. Wo auch immer hier ist.

Es gibt keinen Weg zurück. Sternkarten sind nutzlos. Unsere Scanner haben keinen einzigen Planeten mit einer sauerstoffhaltigen Atmosphäre in der näheren Umgebung entdecken können. Und als wäre unsere Lage nicht schon bedrohlich genug, gibt es nun auch noch Gerüchte über eine geplante bewaffnete Rebellion. Ich hoffe um unser aller Willen, dass es nichts als Gerüchte sind. Ich fürchte, dass ich das Militär, sollte diese Rebellion wirklich stattfinden, nicht mehr zurückhalten könnte. Sie bedrängen mich schon seit Wochen damit, dass ich sie endlich dieses "Chaos", wie sie es nennen, auflösen lassen sollte. So sehr das auch gegen meine ureigensten Prinzipien verstoßen mag, ich werde am Ende wohl keine andere Wahl haben.

Trotz allem – und wahrscheinlich ist es ziemlich idiotisch von mir – habe ich immer noch Zuversicht. Vielleicht nicht mehr so viel wie am 13. Mai 2638, als unsere Flotte von 128 Schiffen aufbrach. Aber ich glaubte und glaube noch immer daran, was ich damals gesagt habe:

Wir finden einen Planeten. Wir finden außerirdisches Leben. Wir werden mehr tun und sein als nur Überlebende. Wir werden uns weiterentwickeln. Allerdings befürchte ich mittlerweile, dass ich leider nur noch einer von wenigen bin, die daran glauben.

Ein weiterer, der uns noch nicht aufgegeben hat, ist Rich. Wir sind jetzt allerdings schon so lange befreundet, dass wir mehr oder weniger genau das Gleiche denken. Er ist der Meinung, dass das heutige Treffen uns wieder zurück in die Spur bringen wird. Zweihundert Jahre des Friedens und Fortschritts liegen hinter uns und er ist sich sicher, dass die Menschen nicht wieder in die alten Muster zurückfallen werden. Ich hoffe inständig, dass er Recht behält.


Thomas Connery, Eintrag Holovid-Tagebuch Ende.


Holovid Henry Briggs - 21/12/2642 Bearbeiten

Aus dem Holovid-Tagebuch von Henry Briggs, Xenobiologe, Teil 1 21. Dezember 2642

Kürzlich habe ich viel über die Kämpfe nachgedacht, die letztendlich zu Toms Tod führten. Mir ist klar, dass die Reise, die so viel länger andauert als ursprünglich angenommen, den Leuten aufs Gemüt schlägt. Sie werden gereizt und geraten außer Kontrolle. Ein großes Angstgefühl verbreitet sich spürbar unter den Flottenangehörigen und führt zu grundlosen Kämpfen zwischen guten Freunden und Familienmitgliedern. Aber warum handeln viele Menschen auf eine Art und Weise, wie sie es noch nie zuvor getan haben? Warum besorgen sich herzensgute Menschen Waffen und jagen Schiffe in die Luft?

Ich hatte viel Zeit, um über diesen Wahnsinn nachzudenken, da meine Arbeit erst beginnt, wenn wir auf der Neuen Erde landen. Als einer der wenigen, die von Connery selbst zu dieser Mission berufen wurden, werde ich mit Höflichkeit behandelt, sodass ich auch weiterhin zwischen den Schiffen umherfliegen kann und überall willkommen bin, solange ich nur immer meine übliche Rede über den großen Mann halte und stets daran erinnere, dass seine Vision uns noch immer leitet. Ich weiß, dass Connery nicht frei von Fehlern war. Niemand ist das. Ich muss aber dennoch anerkennen, dass er nicht nur ein großartiger Mensch, sondern auch ein großartiger Visionär war, den es so wohl nie wieder geben wird. Bedauerlicherweise – auch wenn ich es nicht laut sagen kann – glaube ich wirklich, dass es nicht mehr seine Vision ist, die uns leitet.

Connery glaubte an Frieden und Gleichberechtigung und ich konnte ihm während der ersten Aufstände förmlich ansehen, wie sehr ihn das Auferlegen der selbst kleinsten Restriktionen und der vom Militär eingeführten Ausgangssperre schmerzte. Ich weiß, dass er vorhatte, sie so schnell wie möglich wieder aufzuheben, aber mit seinem Tod haben sich diese Chancen verflüchtigt. Die Militärs der Terranischen Republik haben seine Ansichten garantiert nicht geteilt. Ich denke, wenn sie damit durchkommen würden, allen von uns unter dem Vorwand, den Frieden zu erhalten, ein Ortungsarmband anzuheften, hätten sie es getan, noch bevor Connerys Überreste in den Weltraum geschossen wurden. Die Rangfolge der T.R. war ursprünglich einmal sehr transparent, sodass jeder sehen konnte, an wen seine Stimme ging und was passieren würde. Es ist eine Schande, dass sie dieser Tage zum kompletten Gegenteil von Connerys Traum geworden ist. Ich weiß, dass die Dinge viel mehr nach seinem Willen verlaufen würden, wenn er noch am Leben wäre. Ich würde mich keineswegs als rachsüchtige Person bezeichnen, wünschte mir aber, ich würde wissen, wer für seinen Tod verantwortlich ist.

Die Leute fangen damit an, Cliquen zu bilden, ungefähr wie zu meinen College-Zeiten. Ich habe bemerkt, dass sich die Ordnungsfanatiker, die den Aufstieg von Gewalt und Verbrechen fürchten, zu den Treffen der Terranischen Republik hingezogen fühlen. Die Leute von der T.R. halten Reden, die Sicherheit und Geborgenheit versprechen, und ich sehe eine Vielzahl der sich fürchtenden Menschen diesen Botschaften Glauben schenken. Sie suchen Schutz und vertrauen darauf, dass die T.R. schon dafür sorgen wird, dass sie gerecht behandelt werden. Und auch wenn mir die T.R. nur Zentimeter von einer Diktatur entfernt zu sein scheint, schafft sie es doch, den Frieden zu bewahren. Vielleicht ist das genau das, was einige Menschen in diesen Krisenzeiten brauchen.

Die Gruppe, die mich wirklich überrascht, ist die der Geschäftsleute, das Neue Konglomerat, wie sie sich selbst nennen. Wir wissen, dass sie bezahlte Söldner angeheuert haben, was ich trotz des Widerspruchs der Zusammenarbeit der wichtigsten Firmenbosse der Erde mit den glorifizierten Auftragskillern noch verstehen kann. Was ich nicht erwartet hätte, waren die ganzen jungen Menschen, die sich dem N.K. angeschlossen haben. Es scheint fast so, als wäre der Schlachtruf nach Freiheit vom Regierungseinfluss durch das N.K. etwas, was beiden Gruppierungen zusagt. Beide sind mit den zunehmend härteren Regierungsvorschriften unzufrieden und stellen sich jetzt zusammen einem gemeinsamen Feind. Scheinbar ist das alte Sprichwort, dass die Politik merkwürdige Gespanne erzeugt, immer noch gültig.

Ich selbst verbringe zunehmend mehr Zeit mit den anderen Wissenschaftlern, Ärzten und Technikern. Wir können uns zwar wegen der Vorschriften durch die T.R. nicht nach der Arbeit treffen, versuchen jedoch, uns in immer größer werdender Runde in den Laboren oder während der Mittagszeit über unsere Leben zu unterhalten. Wir kümmern uns nicht um Politik. Wir helfen einander bei komplexen Fragestellungen oder bedauern manchmal lediglich das, was wir als generelle Ahnungslosigkeit der restlichen Flotte bezeichnen. Wir reden zwar nicht mehr als ungefähr eine Stunde täglich, freuen uns jedoch auf diese Zeit. Nach einem Leben in Einsamkeit ist die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten, unglaublich befreiend.

Gestern, vor Beginn der zweiten Schicht, kamen wir auf das bei allen beliebteste Thema zu sprechen: das Artefakt. Ich verriet ihnen kleinere Details ... mehr, als ich jemals zuvor irgendwem offenbart habe, aber ich war vorsichtig genug, ihnen nicht zu viel zu erzählen. Obwohl ich so oft darüber nachdenke, ist es immer noch seltsam, mit anderen darüber zu sprechen. Ich habe das Gefühl, dass die Vermittlung des Wissens, das ich aus dem Artefakt gewonnen habe, äußerst wichtig ist, aber es fällt mir schwer, mir vorzustellen, wie viel ich sagen darf, bevor ich verrückt klinge.

Als Resultat habe ich einen Großteil meiner Erfahrungen für mich behalten. Ich konnte es schließlich nicht riskieren, dass die T.R. Wind davon bekommt, was ich durchgemacht habe. Ich habe keine Vorstellung von den "Behandlungsmethoden" oder den Experimenten, die sie mit mir durchführen würden. Als wir die Statuette tief unten im Tunnel fanden, konnten Tom und ich spüren, wie sie vibriert und wie sie eine Reihe von Rhythmen wiederholte, die den Stimmen eines Chores ähneln. Ich hatte nicht vor, es zu berühren, und Connery warnte mich davor, aber die Rhythmen, so verrückt es auch klingt, riefen nach mir. Ich vernahm Stimmen, die zwar nicht hörbar waren, sich aber dennoch irgendwie in meinem Kopf befanden, so wie ich mir Telepathie vorgestellt hätte, wenn sie real wäre.

Es hat nicht in Worten, sondern in Gefühlen und Bildern mit mir gesprochen. In einem Moment starrte ich auf ein trinäres Sternensystem, im nächsten fiel ich in eine Wand aus Feuer. Ich verspürte Euphorie gefolgt von unglaublicher Furcht.

Ich sah die Gesichter von Menschen, die ich kannte, und irgendwie, wie sich später herausstellen sollte, ebenfalls solche, die ich erst in der Zukunft kennenlernen sollte. Aber da war noch etwas. Ich fühlte ihre Emotionen – ihre Schmerzen und ihre Freude. Ich lernte meine Eltern auf eine Weise kennen, wie ich es noch nie zuvor getan habe. Ich spürte ihre Liebe für mich als Kind und wie sie mir helfen wollten, bevor ich sie vergraulte. Jedes Mal, wenn ich ihnen widersprach, konnte ich ihre Herzen brechen sehen und ich fühlte Schande und Reue für all das, was ich ihnen und anderen je angetan hatte.

Ich hatte vorher nie das Gefühl, dass mit mir irgendetwas "nicht stimmte". Andere Menschen waren stets wie ein Buch mit sieben Siegeln für mich und ich bevorzugte es auch so. Letztendlich war ich derjenige mit drei Doktortiteln und sie waren die Idioten mit ihren oberflächlichen Interessen und Sorgen. Je mehr Zeit aber seit diesem Tag ins Land gegangen war, desto besser war ich dazu in der Lage, meine Mitmenschen zu verstehen.

Es war fast so, als wenn dieses Ding in meinen Kopf gedrungen ist und mich zum ersten Mal verstehen ließ, wie viele Schmerzen ich mit meiner distanzierten und abgehobenen Art in allen, die je etwas für mich empfanden, hervorgerufen hatte. Es zeigte mir ebenfalls Bilder von mir und meinen Freunden, wie wir lachten ... lebten. Damals fühlte sich das alles wie ein bizarrer Traum an, aber ich bin mir sicher, dass ich eine Prophezeiung gesehen habe.

Ich erinnere mich daran, wie das Fleisch an meinen Armen durchsichtig wurde, sich kräuselte und aufriss, während ich lediglich zusehen konnte. Strukturen von unendlicher Komplexität aus einer anderen Welt bedeckten alle Oberflächen meiner Vision und setzten sich in alle Richtungen fort. Ich konnte die Formen und Gefühle, die ich sah und erfuhr, nicht erklären, weil keine Worte existieren, die dies ermöglicht hätten. Zuerst konnte ich keines der Geräusche, die ich vernahm, verstehen, da es lediglich aus Rauschen und Echos zusammengewürfelte Teilstücke waren. Schließlich synchronisierten sich die Kakofonien aus Echos wie ein altmodisches Radiosignal, das richtig eingestellt wird, und ich konnte klar und deutlich ein einziges Wort verstehen: Vanu.

Als ich das Wort wiederholte, wurde ich urplötzlich und brutal in die Realität zurückgerissen.

Ich erwachte aus der Trance, war plötzlich wieder zurück im Tunnel und berührte die Statuette nicht mehr. Connery hatte mich am Arm gepackt und mich weggerissen. Obwohl nur ein kurzer Moment vergangen war, fühlte es sich an, als hätte ich das Artefakt tagelang in meinen Händen gehalten. Es fühlte sich an, als hätte ich von einer Art Wissen gekostet, von dem ich nie zu träumen gewagt hätte. Ich wurde mit dem Eindruck von einer unglaublich starken Präsenz zurückgelassen, den ich nicht genug unterstreichen kann – ich durfte einen Blick auf das Göttliche werfen. Nachdem ich von dem Objekt fortgerissen worden war, begann es jedoch binnen weniger Minuten zu verblassen, als würde man von einem Wecker aus dem Schlaf gerissen werden.

In den Tagen nach dem Vorfall bemerkte ich eine erschreckende Veränderung meiner Denkvorgänge. Mein Verstand war so gesund wie immer, nur konnte ich nun Dinge aus anderen Blickwinkeln sehen, wie es mir zuvor nicht möglich gewesen war. Mir wurde klar, dass ich vorher in meinen Gedanken komplett myopisch gewesen war, und ich fühlte erst jetzt die unermessliche Weite neuer Interessen und Auffassungen in mein Bewusstsein dringen. Zuerst war es überwältigend, aber ich konnte es bis ins kleinste Detail mit Tom besprechen, sodass er mir helfen konnte. Das war eine weitere für mich völlig neue Erfahrung: menschliche Interaktion, die mich positiv beeinflusste.

Zusammen hatten wir überoptimistische wilde Vorstellungen über die Außerirdischen, die die Artefakte entworfen hatten. Ich glaubte fest daran, dass das Wort Vanu eine Bedeutung haben musste, weil ich es gehört hatte. Vielleicht war es der Name eines außerirdischen Gottes, dessen Götzenbild wir gefunden haben. Tom scherzte, dass Vanu nur der Name der Figur sei. Wenn wir Paula Puppe und Quincy Quack hätten, könnten die Außerirdischen ja auch Vanu-Wackelkopffiguren haben. Vielleicht sei es ja auch nur eine Actionfigur aus dem Holovid irgendeines Kindes? Ich erinnere mich daran, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben echte Wut verspürte, als er so über die Statuette scherzte, was er auch sofort bemerkte. Er hat danach nie wieder Witze über sie gemacht. Wenn ich mal keine Zeit mir der Statuette verbrachte, stellten Tom und ich Theorien über die Gesellschaft der Außerirdischen auf und füllten sie mit menschlichen Emotionen, obwohl wir genau wussten, dass sie definitiv nicht menschlich sind.

Ich konnte Tom davon überzeugen, mir das Artefakt für weitere Studien zu übergeben um mehr darüber zu erfahren, was ich bei der ersten Berührung gefühlt hatte. Ich habe die Figur monatelang auf dem Rückflug zur Erde studiert. Mit der Zeit konnte ich kleine Veränderungen an mir selbst bemerken. Obwohl die Stimmen trotz meiner Bemühungen nie zurückkamen, kristallisierte sich tief in mir eine Bestimmung. Eine Bestimmung, die stärker war, als all meine Schwächen. Vielleicht hätte ich diese Veränderungen stärker hinterfragen sollen, aber ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben dazugehörig. Ich hatte das Gefühl, zu wissen, warum ich existierte.

Vanu. Vanu war meine Bestimmung, mein Daseinsgrund.

Ich war mir immer noch nicht sicher, ob all das echt und ich nicht vielleicht verrückt war, jedoch auf eine vollkommen neue und andere Art und Weise. Natürlich konnte ich meinen neuen Freunden davon nichts erzählen und an dem Tag in der Kantine hielt ich alles zurück. Sie waren trotzdem begeistert von den Dingen, die ich ihnen eröffnete. Sie waren allein von dem Gedanken ergriffen, dass sie etwas über eine neue Rasse ohne Verbindungen zur Menschheit erfahren könnten. Als Xenobiologe ist der Gedanke daran, mit Menschen völlig unähnlichen Wesen in Kontakt zu treten einfach berauschend, wie ich zugeben muss. Unsere kleine Gruppe besteht aus verwandten Seelen, die weniger mit der Politik der T.R. oder des N.K. sympathisieren, sondern sich an Connerys Hoffnung für die Zukunft ausrichten.

Zusammen blicken wir auf ein neues Kapitel der Menschheit. Unsere Messungen haben ergeben, dass die Neue Erde eine unbewohnbare und verwüstete Welt ist. Wissenschaftler, die etwas davon verstehen, erzählten mir, dass das Leben auf unserem neuen Planeten selbst nach dem Terraforming schwierig sein würde. Ich weiß jedoch, wie anpassungsfähig wir in Anbetracht scheinbar unüberwindbarer Herausforderungen sind, selbst wenn nur die letzten 300 Jahre unserer Geschichte als Beispiel herangezogen werden. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die von uns in Zukunft gemachten Entdeckungen das Not und Elend dieser Reise wettmachen werden. Tom hätte sicherlich ungleich eloquentere und beruhigendere Worte gefunden, um uns anzutreiben, aber er ist nicht hier. Glücklicherweise habe ich für mich eine neue Inspiration für die Zukunft gefunden.


Vorgeschichte Bearbeiten

Teil 1: Jake Duffy, Terranische Republik, Quartermaster Bearbeiten

Jake Duffy, Terranische Republik, Quartermaster, AMP-Station Gamma. 21. Juni 2845

Duffys Stimme war sogar durch die Plexiglaswände seines Büros zu hören. "Warum in drei Teufels Namen stehen Sie da so rum, Davids? Hören Sie auf Däumchen zu drehen! Sie sollten diese verdammten Waffen in den Frachthangar A bringen. JETZT!"

Er warf einen Blick auf den Frachtbericht und starrte dann eine sichtlich verunsicherte Private Genny Jones wütend an. Jones war eine zierliche, kaum eins sechzig große Frau mit schulterlangem, feuerrotem Haar und einem dazu passenden Temperament. Sie war erst vor zwei Wochen der Abteilung Waffennachschub zugewiesen worden, als die Beziehungen mit dem Neuen Konglomerat noch relativ friedlich waren und alle dachten, dass sie genug Zeit hätte, sich an ihren neuen Job zu gewöhnen, während beide Seiten versuchten, einen vorläufigen Kompromiss auszuhandeln. Niemand hatte damit gerechnet, dass diese Idioten schon vor Anbruch des nächsten Tages anfangen würden, sich Blei um die Ohren zu ballern.

"115 Mini-Chainguns. Wir brauchen zwei Kisten mit Bolt Drivern. Und Cycler, Repeater-Pistolen, und vergessen Sie nicht die Dome Blaster. Haben Sie alles verstanden, Jones?"

"Jawohl, Sir", rief sie zurück. "Ich habe sofort alles zusammengetragen, als ich den Bericht gesehen habe, Sir. Es ist auch alles bereits in die Galaxy verladen. Ich warte nur noch auf die Positionsdaten für den Einsatz, Sir."

Duffy sah sie an. Zwei Wochen und sie leistete bereits perfekte Arbeit. Verdammt! "Gut, Private. Daten werden gerade übertragen. Und noch etwas, Jones."

"Ja, Sir?"

"Ich bin Quartermaster, und kein Offizier. Sprechen Sie mich auch so an, oder Q oder Duffy, aber nicht Sir!"

"Entschuldigen Sie, wird nicht wieder vorkommen, S … Duffy."

"Sorgen Sie besser dafür, Private. Jetzt sehen Sie zu, dass Sie an Bord kommen. Sie gehen mit Booth und Erickson."

Er hatte noch nicht geendet, da war sie schon fast aus dem Büro verschwunden.

Die Soldaten nahmen ihre vorgesehenen Plätze an Bord der Galaxy ein und bereiteten sich auf den Start vor. Zwei Minuten später krachte Duffys Stimme aus den in den Helmen integrierten Kopfhörern: "Die Befehlshaber haben mir gerade grünes Licht für die Missionsdetails gegeben. Also zuhören, ich werde es nicht wiederholen. Zwei T.R.-Truppenverbände wurden auf der Vulkaninsel Searhus in einen Hinterhalt gelockt und stehen unter schwerem Beschuss von Verbänden des Neuen Konglomerats. Scheint so, als hätten Sie die Kontrolle über den Mount Lavastorm errungen, in dem irrigen Glauben, wir würden sie ohne Weiteres die Gefangenen aus der Gefängnisanlage Kane befreien lassen. Wenn sie Erfolg haben, würde die Armeestärke des N.K.s der unseren entsprechen. Unser Job ist es also, dafür zu sorgen, dass es unter keinen Umständen soweit kommt. Haben Sie das verstanden?"

Genny Jones antwortete wie der Rest mit einem lauten "Verstanden, Quartermaster Duffy!"

Während die Galaxy über Auraxis in Richtung Searhus raste, ging Jones in Gedanken noch einmal durch, was sie über den Gegner wusste. Das Neue Konglomerat hatte sich ursprünglich aus drei unterschiedlichen Gruppierungen gebildet, die nicht unterschiedlicher hätten sein können, die aber durch ihre gemeinsamen Ziele vereint worden waren. Zunächst einmal waren da die Manager und Geschäftsleute. Sie waren vielleicht nicht die allerhöchsten Tiere gewesen, aber sie hatten auf der Erde und den terranischen Kolonien die mächtigsten Unternehmen geleitet und waren losgeschickt worden, um auf der anderen Seite der Galaxie für ihre Firmen Niederlassungen zu errichten, Märkte zu erobern und die Gewinne der Muttergesellschaften zu vergrößern. Alle waren Funktionäre in hohen Positionen des ursprünglichen Konglomerats gewesen und hatten deshalb naturgemäß erwartet, die Kontrolle über das neue Geschäft zu übernehmen. Jones war klar, dass die Bosse sich nicht die Hände mit harter Arbeit hatten schmutzig machen wollen und deshalb zivile Arbeitskräfte mit sich gebracht hatten, die zweite Gruppe des Konglomerats. Diese wurden bezahlt, um die neuen Infrastrukturen, Städte und Industrieanlagen zu bauen. Nach Vollendung dieser Arbeit wären sie wieder zur Erde zurückgekehrt, um die Belohnung für ihre Arbeit einzustreichen. Natürlich gingen die Funktionäre auch nie ohne Begleitschutz irgendwohin, weshalb hier die dritte Gruppe ins Spiel kam: Gutbezahlte und gefährliche Söldner.

Im Gegensatz zur Mehrzahl von Connerys Mannschaft, die beabsichtigte, neu entdeckte Welten zu kolonisieren, hatten diese Gruppen nur ein Ziel: Profit. Sie wollten so schnell wie möglich wieder nach Hause zurückkehren. Sie verspürten keinerlei Loyalität zu Connery und seiner Mission, alles, was sie interessierte, war, was sie aus der ganzen Sache herausschlagen konnten. Das Neue Konglomerat, wie sie sich bald nannten, war trotzdem immer dazu bereit, mit den anderen zusammenzuarbeiten. Doch mit einem Mal fanden sie sich auf der anderen Seite eines zusammenbrechenden Wurmlochs wieder, von der es keinen Weg zurück nach Hause und folglich keine Aussicht auf ihre Gewinne mehr gab. Daraufhin distanzierte sich die Gruppe nach und nach immer mehr von den anderen Mitgliedern der Expedition.

Genny erinnerte sich noch gut an die Worte des Sergeants, die er ihrer Gruppe während der Ausbildung eingetrichtert hatte. "Wollen Sie den Unterschied zwischen uns und denen wissen?", brüllte er immerzu. "Als diese N.K.-Bastarde auf Auraxis ankamen, befanden diese Snobs plötzlich, dass die Regeln der Terranischen Republik, nach denen sie bisher gelebt und gehandelt hatten, nicht mehr mit ihren selbstsüchtigen Bedürfnissen vereinbar wären. Sie wollten einfach nicht akzeptieren, dass die Gesetze verabschiedet wurden, um alle Menschen zu schützen. Nicht so viele Lichtjahre entfernt von Zuhause. Wie immer dachten diese N.K.-Arschlöcher nur an sich selbst und nicht an andere!"

Sie holte ihren Tab hervor und überflog die kurzen Videos von ihrer Familie, die auf Cyssor hoffentlich in Sicherheit war. Ihre Mutter lächelte und warf ihr eine Kusshand zu. Ihr Vater schaute sie so an, wie er es schon immer getan hatte. Für ihn war sie noch immer das kleine neunjährige Mädchen mit den Zöpfen. Ihre Schwester Lea formte mit ihren Lippen die Worte "Pass auf dich auf, Schwester". Ein Grinsen stahl sich auf Gennys Gesicht. Ihr älterer Bruder, Sandy, winkte nur feierlich. Er war es, der am heftigsten mit ihr gestritten hatte und sie dazu bewegen wollte, nicht der T.R.-Armee beizutreten. Sandy war ein theoretischer Physiker, der sich mit dem Vanu-Kult eingelassen hatte und mit einigen Regeln der T.R. nicht einverstanden war. Aber diese Vanu-Spinner waren nur Schwachköpfe, nicht vergleichbar mit den Verrätern des N.K. Sie diskutierten und stritten endlos darüber, wer Recht hatte und wer nicht. Sie musste zugeben, dass er einige gute Argumente vorbringen konnte, aber schlussendlich war sie bei ihrer Überzeugung geblieben, dass sie dafür kämpfen wollte, woran sie am meisten glaubte. Trotzdem mochte sie ihn noch immer sehr und wusste, dass er sie auch mochte. Beide beteten dafür, dass der Krieg ihre Familie nicht auseinanderreißen möge, so wie er Auraxis bereits auseinanderriss.

Zurück in seinem Büro beobachtete Quartermaster Duffy den Start der Galaxy in Richtung Searhus. Vor dem Start hatte er seinen üblichen letzten Rundgang gemacht. Er hatte den leuchtenden Rotschopf von Genny Jones ganz hinten gesehen. Sie unterhielt sich mit Billy Pelz, einem frischen Rekruten, der nicht älter als achtzehn sein konnte. Selbst das war noch optimistisch. Eine Menge Kinder logen in letzter Zeit über ihr Alter. Sie sprachen davon, wie sie in den Krieg ziehen wollten. Helden wollten sie sein. Idioten waren sie. Sie hatten keinen Plan davon, was Krieg wirklich war, dachte Duffy und schickte ein stilles Stoßgebet zum Himmel, dass sie alle gesund wiederkommen mögen.

Er drehte sich um und warf einen Blick auf die Nachrichten, auf der Suche nach Neuigkeiten zur Vanu-Souveränität und ob sie sich weiterhin neutral verhalten, sich auf eine Seite des Krieges schlagen oder gar ihre eigene Offensive starten würden. Nichts. Er schickte ein weiteres Gebet los, auf dass es so bleiben möge. Das Leben auf Auraxis war zur Hölle geworden und ein weiterer Konflikt war das Letzte, was Duffy jetzt noch gebrauchen konnte. Kopfschüttelnd fragte er sich einmal mehr, wie es dazu hatte kommen können. Als sie auf Auraxis ankamen, schlossen sich alle Menschen zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Sie zähmten den wilden Planeten, terraformten ihn, produzierten Nahrung für alle, bauten Städte und Festungen. Alle arbeiteten zusammen, um gemeinsam zu überleben.

In den letzten 175 Jahren hatte sich so viel verändert.

Er seufzte und atmete tief durch. Anschließend rief er Ben Davids, noch eines dieser neuen Kinder, das erst letzte Woche rekrutiert worden war. "Warum in drei Teufels Namen stehen Sie da so rum, Davids?" Hören Sie auf Däumchen zu drehen! Sie sollten diese verdammten Waffen in den Frachthangar B bringen. JETZT"


Teil 2: Sandy Jones, Vanu-Souveränität, Abteilungsleiter Forschung und Entwicklung Bearbeiten

Sandy Jones, Vanu-Souveränität, Abteilungsleiter Forschung und Entwicklung

Sandy Jones schaute von seinem Computer zu den Monitorreihen über ihm, die die ganze Wand bedeckten. Heute Morgen war er von seiner Schwester Genny, einem Private im Militär der Terranischen Republik, gewarnt worden, dass auf der Vulkaninsel Searhus etwas Großes passieren würde.

"Warum machst du das, G?", hatte er sie gefragt. "Es gibt keinen Grund dafür, dass du dem Militär beigetreten bist. Es gibt keinen Grund, sich für eine Partei einzusetzen. Sie sind beide verrückt, die Terranische Republik und das Neue Konglomerat. Verstehst du das nicht? Sie werden sich gegenseitig vernichten und dabei viele Unschuldige mit in den Tod reißen!"

Genny lachte. "Und was ist mit euch Vanu-Verrückten? Ihr glaubt an die mystischen Kräfte eines Aliengottes ..."

"Kein Gott. Ein Alien. Wir wissen mit Sicherheit, dass sie existierten. Wir haben ihre Städte gefunden und ausgegraben. Wir haben ihre Hinterlassenschaften und Technik analysiert. Und nach dem Vorfall mit Briggs haben wir sogar ein paar telepathische Ereignisse verzeichnet. Vanu und sein Volk waren real!"

"Das entscheidende Wort hierbei, Sandy, ist "war". Die sind vor zigtausenden von Jahren ausgestorben. Und verbessere mich bloß nicht. Ob es jetzt fünfhundert oder zigtausend Jahre waren macht überhaupt keinen Unterschied, da sie eh alle tot sind. Ich verstehe dich ja, Bruder. Ihr Wissenschaftler ergreift keine Partei. Ihr analysiert. Ihr sucht. Ihr geht den Dingen bis zu den Atomen auf den Grund, um zu sehen, was passiert. Dann beginnt ihr von vorn, und noch einmal und noch einmal, um zu sehen, ob sich die Ergebnisse verändern."

"Das nennt man wissenschaftliches Vorgehen. Und es funktioniert reibungslos seit Anbeginn der Wissenschaft."

"Ich weiß. Und ich liebe dich für deine Hingabe. Aber nicht jeder will seine Emotionen in Reagenzgläsern einsperren oder hinter Formeln verstecken. Manche von uns müssen halt tun, was sie tun müssen. Wir sind noch nicht einmal zweihundert Jahre auf diesem Planeten. Es ist noch nicht an der Zeit, dass sich die Menschheit schon wieder gegenseitig auslöscht. Wir brauchen Frieden. Daran glaube ich so fest, dass ich Teil dieses Prozesses sein will."

Sandy schaute sie mit diesem Blick an, den sie so hasste, und der sagen wollte: "Ich werde dir jetzt ins Gewissen reden, Kindchen, also hör mir gut zu." "Gerade deshalb versuche ich dir doch zu erklären, dass du dich aus diesem Kampf raushalten solltest. Du solltest nicht mittendrin sein, wenn sich die beiden Seiten gegenseitig vernichten, bis auch der letzte von diesen Idioten tot umfällt. Der Planet wird denjenigen gehören, die an friedliche Forschung glauben. Übrigens, ich hoffe, du bist dir im Klaren darüber, dass auch deine Freunde in der Terranischen Republik alles andere als Unschuldslämmer sind. Sie sind Diktatoren von der schlimmsten Sorte."

Er sah, wie ihr Gesicht hochrot anlief. "Und die vom Neuen Konglomerat sind besser? Sie haben seit dem ersten Tag gegen die Kolonien gearbeitet. Sie verweigerten ihren Anteil an der Arbeit, solange sie nicht dafür bezahlt wurden. Und als klar war, dass es kein Zurück gab und sie ihre Belohnungen nicht einstreichen konnten, haben sie sich aus dem Staub gemacht! Die T.R. will nur, dass wir alle zusammenarbeiten ..."

Sandy beugte sich vor und unterbrach sie. "Zu ihren Bedingungen und ihren drakonischen Gesetzen. Und wenn du von ihrer Meinung abweichst, wirst du eingesperrt oder hingerichtet." Genny fuhr fort, als hätte ihr Bruder nichts gesagt. "... während sich das N.K. abgesetzt und ihre unterirdischen Städte gebaut hat und uns hier oben verrotten lässt."

"Ja. Für sie heißt es entweder alles oder nichts. Nur ihr Weg ist der Richtige", sagte Sandy. "Aus diesem Grund will ich keine der beiden Seiten unterstützen und neutral bleiben. Aus diesem Grund wollen ich und der Rest von uns nicht in diesen Irrsinn hineingezogen werden. G, ich will doch nur, dass du in Sicherheit bist. Ich könnte dich mal zu unserem Lager mitnehmen. Damit du siehst, was ich sehe. Um zu verstehen, was wir gerade dabei sind zu entdecken. Wenn du erst die Wahrheit über die Vanu siehst – ich bin mir sicher, dass du dann zu uns kommen willst."

"Sandy, mach mal halblang und bleib realistisch. Ich liebe dich. Und weil ich das tue, lese ich auch immer wieder etwas über Vanu. Ich verstehe, worum es euch geht. Und gerade deshalb werde ich mich nicht unerlaubt von der Truppe entfernen, zu dir kommen und mir anhören, was für einen Quatsch deine Freunde von sich geben."

"Quatsch? Genny, du liest doch nur die Propaganda von der T.R. und dem N.K. Du hast keine Ahnung, was Vanu wirklich ist. Lass es mich dir zeigen. Bitte!" Genny gab ihrem Bruder einen Abschiedskuss auf die Wange. "Tut mir leid, aber nein. Ich kann und werde das nicht tun. Um dich zu beruhigen, du und ich wissen, dass es nicht zu einem Krieg kommen wird. Sie werden reden. Sie werden wie immer einen Kompromiss finden. So läuft es immer. Wir sitzen doch alle auf Auraxis fest, also müssen wir am Ende eh alle zusammenhalten. Ob wir wollen oder nicht", sagte sie, gab ihrem Bruder einen Kuss und versprach, dass sie Mittwoch zum Abendessen im Kreis der Familie zurück sein werde. Es war Gennys Geburtstag und Elayne, Sandys Frau, wollte ihr Lieblingsessen kochen, imitierten Truthahn.

Sie grinste ihn noch ein letztes Mal an, schnippste an sein Ohrläppchen, wie sie es immer tat, und ging. Morgen würde ein höllischer Tag werden. Sandy schaute auf die Nachrichtenmeldungen, die über den Monitor liefen. Der Nachrichtensprecher, Richard Morgannis, der seinen Namen von seinem Urururgroßvater Richmond geerbt hatte und der Ururenkel der immer noch hochverehrten Jessicana Morgannis war, schaute ernst in die Kamera. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

"Vertreter der Terranischen Republik und des Neuen Konglomerats haben bekanntgegeben, dass alle Friedensverhandlungen abgebrochen wurden."

"Wir können unmöglich mit diesen Verrätern verhandeln", erklärte George Harris, Sprecher der T.R.

Die Sprecherin des Neuen Konglomerats, Diane Draper, hingegen erklärte: "Wir haben uns nicht vom Verhandlungstisch zurückgezogen, George. Sie waren das." Harris‘ Gesicht tauchte wieder auf dem Monitor auf. "Sie haben uns keine Wahl gelassen. Wir sahen uns zu diesem Schritt gezwungen, nachdem Sie ihren Söldnern den Angriff auf unsere Siedlungen in der Kaorr-Wüste befohlen haben."

"Das ist eine Lüge! Sie sind dort einmarschiert und haben Dutzende von Siedlern abgeschlachtet", gab Draper zurück.

"Siedler? Das waren Arbeiter, die dort Kriegswaffen hergestellt haben, Diane. Und ersparen Sie uns die Lügen, wir wissen, dass es so ist! Ihre Terroristen hatten vor, diese Waffen gegen unschuldige Bürger der Terranischen Republik einzusetzen", rief Harris aufgebracht.

Morgannis‘ Gesicht war wieder zu sehen. "Offizielle Vertreter der T.R. weisen alle Vorwürfe des N.K. von sich. Solange die Führung des N.K. nicht bereit sei ..." Morgannis tippte sich an seinen Kopfhörer, offensichtlich erhielt er neue Informationen.

"Wir erhalten gerade Bericht von einer Schlacht auf der Insel Searhus. Offensichtlich gibt es in der Nähe der Gefängnisanlage Kane Kämpfe. Beide Seiten haben geschworen, dass die Kämpfe nicht eher enden würden, bis die Gegenseite komplett vernichtet würde. Unsere Reporter vor Ort melden, dass wohl auch Massenvernichtungswaffen eingesetzt würden und die Zahl der Toten auf beiden Seiten schnell steige. Sie berichten ... Warten Sie bitte einen Moment. Ich habe die Verbindung zu unseren Reportern auf Searhus verloren. Ich empfange nur noch Statik. Es scheint, als wäre die Kommunikation ..."

Sandy Jones starrte voller Furcht auf den Monitor, auf dem nur noch statisches Rauschen zu sehen war. Genny war da draußen, irgendwo mitten in diesem Kriegsgebiet! Er musste wissen, was da vor sich ging.

"Sandy." Von hinten rief ihn eine Stimme. Er drehte sich um und sah, wie der Vorsitzende Willis Scott den Raum betrat. "Diese Irren haben es getan. Der Planet befindet sich im Krieg."

"Wir bleiben doch neutral, Sir. Oder?" Diese Frage war für Sandy extrem wichtig.

Scott schüttelte den Kopf. "Wir werden uns auf keine der beiden Seiten stellen, wenn es das ist, was Sie meinen. Aber wir können genauso wenig nur an der Seitenlinie stehen und zusehen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis alle Details der Reinkarnation bekannt werden und wir können das Geheimnis nicht mehr wirklich länger zurückhalten. Vanu selbst hat zu mir gesprochen. Er will, dass wir die Welt retten, die er einst beherrschte. Damit die Menschheit auf eine neue Stufe der Existenz aufsteigen kann. Dafür müssen wir zu den Waffen greifen und die beiden vernichten. Wir müssen alle auslöschen, die sich uns in den Weg stellen. Heute haben wir unsere Souveränität erklärt, die Vanu-Souveränität. Auf Auraxis kann nur eine Macht überleben und die müssen wir sein!"


Teil 3: Joe Walsh, Neues Konglomerat, Master Sergeant, Searhus Bearbeiten

Joe Walsh, Neues Konglomerat, Master Sergeant, Searhus. 21. Juni 2845

Walsh musste hilflos mit ansehen, wie die Privates Ken Edmund und Adira Sullivan bei dem Versuch, die Südflanke des Lavastorm zu halten, tot zu Boden fielen. Kugeln der T.R. durchschlugen ihre Brustpanzer und explodierten dann in ihren Körpern. Obwohl er Sullivan nicht persönlich kannte, waren Walsh und Kens Vater damals auf der Akademie befreundet gewesen. Das waren gute Soldaten. Walsh schwor sich, dass diese republikanischen Mörder dafür bezahlen würden!

"Miller. Cohen. Nehmen Sie ihre Stellung ein. Wenn Sie auch nur einen von diesen Dreckskerlen sehen, erledigen Sie ihn." Die beiden rannten über das zerklüftete Lavafeld und nahmen die Posten der Getöteten ein. "In Stellung, Sergeant", rief Miller. "Bereit."

Die Terranische Republik war auf der Erde die einzige politische Kraft seit der Waffenruhe und der Bildung der neuen Regierung gewesen. Sie hatte eine offene und transparente Regierung gebildet, die den Frieden nahezu zweihundert Jahre lang gewahrt hatte. Walsh hatte keine Probleme mit ihr, allerdings sehr wohl mit den Irren, die jetzt ihren guten Namen nutzten, um über Auraxis zu herrschen. Nicht etwa als Demokratie, sondern als brutale und grausame Diktatur. Strikte Ausgangssperren, die während der großen Reise für Ordnung und Sicherheit sorgten, wurden auch nach der Ankunft auf Auraxis nicht gelockert. Tatsächlich waren sie sogar verschärft worden.

"Sorgen Sie sich nicht", erklärte der Rat der T.R. den Menschen, "Wir müssen einen Planeten umformen, Städte aufbauen und wir haben keine Ahnung, wer oder was dort draußen sein könnte. Wir werden alle Einschränkungen so schnell wie möglich aufheben. Aber um die Sicherheit unserer 60.000 Mitbürger zu gewährleisten, müssen zunächst alle Regeln und Gesetze bestehen bleiben."

Aber was Walsh wirklich störte, waren die Menschen, die tatsächlich für die Tyrannei der T.R. stimmten – sie hatten wissentlich ihre Freiheit abgewählt.

Um jegliche Versuche eines Widerstands insbesondere von Seiten des Neuen Konglomerats gegen die Terranische Republik zu unterbinden, wurde das Versammlungsrecht aufgehoben. Es war fortan nicht gestattet, sich mit mehr als zwei anderen Personen zu versammeln, sofern es sich nicht um die eigene Familie handelte. Vergehen gegen die Gesetze wurden in der Regel mit Gefängnis bestraft, in einigen Fällen sogar mit dem Tod. Offiziere des N.K.s wurden ohne Anklage oder Beweise für Vergehen inhaftiert. Das Neue Konglomerat bat inständig darum, die persönlichen Freiheiten wieder einzusetzen, aber die T.R. schlug die Bitten aus. Man war dabei, einen Kompromiss auszuhandeln, als sich beide Parteien vom Verhandlungstisch zurückzogen und der Krieg ausbrach.

So viel zu Thomas Connerys Glauben daran, dass die Menschen in Frieden zusammenarbeiten könnten.

Walshs Einheit griff zu ihren Waffen, schweren Gauß-Gewehren, dreiläufigen "Jackhammer"-Schrotgewehren und Karabinern und bewegte sich vorsichtig den Lavastorm hinab. Walsh kannte die Taktiken der T.R. Sie versteckten sich hinter extrem realistischen Hologrammen von Felsbrocken, bis die Soldaten des N.K.s an ihnen vorbeigegangen waren. Walsh hielt seinen Jackhammer fest umklammert und feuerte in willkürliche Richtungen, wenn die Einheit an möglichen Verstecken vorbeiging. Aber als er plötzlich Schüsse hinter sich hörte, wusste er, dass er doch versagt hatte. Die Gegner hatten sich in einer echten Felsspalte versteckt, in die locker ein halbes Dutzend Soldaten gepasst hätten. Als Walshs Einheit die Spalte passierte, sprangen sie hervor und eröffneten das Feuer. Neun seiner Jungs starben. Drei wurden verwundet und gefangen genommen. Ihre eigenen Schüsse konnten nur vier der Angreifer erledigen.

Walsh und seine Männer suchten hinter einem Felsvorsprung Schutz. Jetzt befanden sie sich in der besseren, weil höhergelegenen Position. Sie waren sicher, wenn auch nur für ein paar Minuten. Walsh gab Miller, Cohen und den Dorsey-Zwillingen ein Zeichen und sie enthüllten die Phönix-Raketenwerfer, die sie entlang der Flanke des Vulkans versteckt hatten.

"Jetzt!", schrie Walsh. Jimmy Dorsey feuerte den ersten Raketenwerfer ab, sein Bruder den zweiten. Walsh und die anderen feuerten auch die anderen ab. Raketen rasten den Vulkan entlang und explodierten. Vier T.R.-Soldaten wurden aus ihren Schlupflöchern geschleudert, die zerfetzten Überreste ihrer Körper blieben leblos liegen. Durch sein Fernglas konnte Walsh zwei der T.R.-Bastarde sehen. Der eine noch ein Kind, vielleicht 19 Jahre alt. "Hast du davon, du Trottel, dass du dir die falsche Seite ausgesucht hast", brüllte Walsh. Das andere schien ein Mädchen zu sein, vielleicht etwas älter, mit feuerrotem Haar.

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